Reifen auf einer Straße mit dem Piesberg im Hintergrund

Pieswerk-Fragenkatalog 2

Antworten auf Fragen der Initiative ProPye


Im Zuge der Informationsveranstaltung Anfang November 2021 hat die Initiative ProPye einen Fragenkatalog erarbeitet und uns Stadtwerken zur Beantwortung übergeben. Die Antworten auf die insgesamt 49 Fragen haben wir unter "Antworten auf Fragen der Pieswerk-Infoveranstaltung" veröffentlicht. Seitens der Initiative ProPye haben sich nun weitere Rückfragen ergeben. Diese haben wir ebenfalls beantwortet. Nachfolgend finden Sie diese Antworten. Haben auch Sie eine Frage an uns schreiben Sie gerne an pieswerk@swo.de. Weitere Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter Kontakt.




Fragenkatalog Initiative ProPye zum Pieswerk vom 02.02.2022 – Antworten der Stadtwerke Osnabrück

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass hinsichtlich der Emission von Schadstoffen aus Industrieanlagen klar definierte Grenzwerte gelten. Diese sowie die Messvorschriften für die Überwachung solcher Grenzwerte sind in Verordnungen auf EU- und nationaler Ebene eindeutig definiert. Im anstehenden BImSchG-Genehmigungsverfahren wird die Genehmigungsbehörde die Einhaltung der vorgegebenen Grenzwerte sowie den Nachweis der Einhaltung zur Bedingung machen. Wir haben uns verpflichtet, die Grenzwerte nicht nur einzuhalten, sondern bestmöglich zu unterschreiten.

Wie bereits in unseren Antworten zum ersten Fragenkatalog ausgeführt, haben wir im Rahmen der Testläufe am CUTEC-Forschungszentrum der TU Clausthal umfangreiche Analysen insbesondere der Produkte recovered Carbon Black (rCB) und Pyrolyseöl durchführen lassen. Unter Anwendung verschiedener Betriebsparameter (Temperatur und Verweildauer in der Pyrolyseanlage, Mischverhältnis der Eingabestoffe) wurden die Produkte hinsichtlich enthaltener Schadstoffkonzentrationen und ihrer marktfähigen Qualität untersucht. Die bisherigen Analysen belegen, dass eine Betriebstemperatur von 600 Grad Celsius (°C) besonders geeignet ist zur Einhaltung niedriger Schadstoffwerte. So liegen die Konzentrationen schädlicher polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) im rCB zum großen Teil unterhalb der Nachweisgrenze. Mit Blick auf die Produktqualität wurden die hergestellten rCB-Pellets von unabhängigen Laboren analysiert und die technischen Eigenschaften bestimmt. Diese technischen Eigenschaften der hergestellten rCB-Pellets entsprechen voll und ganz unseren Erwartungen an einen marktfähigen rCB.

Hinsichtlich des in dem BHKW verwerteten Produktes Pyrolysegas ist festzuhalten, dass das Gas hauptsächlich Wasserstoff und sowie permanent gasförmige Kohlenwasserstoffe (Methan, Ethan) enthält. Feinstaub, Schwermetalle, höhere Kohlenwasserstoffe oder PAKs mit höheren Siedetemperaturen sind nicht enthalten. Die Verbrennung dieses Gases in dem BHKW erfolgt nach dem gängigen, zudem neuesten Stand der Technik unter Luftüberschuss, so dass eine Neubildung von PAKs und anderen hochmolekularen Verbindungen ausgeschlossen ist. 

Die erwähnte Ausarbeitung des Gefahrstoff-Büros Prof. Stephan und Dr. Strobel, GbR, in Halle ist uns bekannt. Die darin aufgeführten Daten stammen nach Angaben des Gefahrstoff-Büros aus eigenen Untersuchungen zur Pyrolyse von Altreifen und Kunstoffen, die durch das Ministerium für Landwirtschaft, Raumordnung und Umwelt Sachsen-Anhalt gefördert wurden. Forschungsberichte zu diesen geförderten Arbeiten sind in der zugänglichen Literatur nicht verfügbar, so dass eine Überprüfbarkeit der Ergebnisse nicht möglich ist. Insbesondere ist nicht nachzuvollziehen, unter welchen Bedingungen die Pyrolyse-Versuche durchgeführt wurden, welche analytischen Verfahren angewendet wurden und wie die Auswertung der Messergebnisse erfolgte. Unter diesen Gesichtspunkten lässt sich in der Tat nicht herleiten, ob und inwieweit die Ergebnisse auf reale Anlagen übertragbar sind.

Um eine Übertragbarkeit sicherstellen zu können, haben wir die o.g. eigenen umfangreichen Testläufe am CUTEC Forschungszentrum der TU Clausthal durchführen lassen. Dabei wurde unter Anwendung verschiedener Betriebsparameter das speziell für das Pieswerk geplante Pyrolyseverfahren umfangreich erprobt und bewertet. Die elektrisch beheizte Drehrohpyrolyseanlage bei CUTEC ist hinsichtlich ihrer Dimensionen zudem vergleichbar mit einer industriellen Anlage. 

Die von uns beauftragte Modis GmbH trägt die Verantwortung für das Basic und Detail Engineering und somit für das auf unsere speziellen Anforderungen ausgerichtete Anlagendesign. Für die Herstellung der einzelnen Anlagenkomponenten wird ein im Rahmen einer Ausschreibung ermittelter Anlagenbauer beauftragt. Der Anlagenbauer trägt wiederum die Verantwortung, dass die Komponenten gemäß Design und Spezifikationen hergestellt werden.

Ab Inbetriebnahme übernehmen die Anlagenhersteller das technische Risiko im Rahmen der Garantiepakete für einen vordefinierten Zeitraum. Ab Ende der Gewährleistungszeit werden in der Regel verschiedene Versicherungspakete wie Betriebsunterbrechungsversicherung oder Maschinenversicherung abgeschlossen. 

Die konkrete technische Umsetzung und Anlagenfahrweise bestimmt die verfügbare Abwärme. Auf Basis der bereits heute absehbaren Bandbreite für die nutzbaren Abwärmepotenziale entwickeln wir Lösungsmöglichkeiten – die nach Umweltnutzen sowie technischer und wirtschaftlicher Machbarkeit umgesetzt werden – für die Einbindung in bereits bestehende Nahwärmenetze und die Versorgung weiterer Neukunden. Darüber hinaus prüfen wir die Aufbereitung und Einspeisung des Pyrolysegases in das öffentliche Versorgungsnetz und die H2-Gewinnung aus dem Pyrolysegas. Die nachhaltigsten Konzepte werden realisiert. 

Wie bereits in unseren Antworten zum ersten Fragenkatalogs ausgeführt, handelt es sich beim geplanten Pieswerk um eine auf unsere speziellen Anforderungen und Bedürfnisse ausgerichtete Anlage. Eine komplett baugleiche Anlage gibt es daher – bislang – noch nicht; allerdings sind die einzelnen für das Pieswerk ausgewählten Komponenten wie Drehrohröfen, Kondensationsanlagen sowie Förderbänder, Schredder, Mühlen und Silos allesamt seit langem technisch erprobt und stellen keine grundlegende Innovation dar. Somit handelt es sich keinesfalls um eine Versuchsanlage – sondern um eine Anlage mit einer lang bewährten, gereiften Technologie, die jetzt für die CO2-Vermeidung „entdeckt“ wird. 

Anders als auswärtige potentielle Betreiber von Industrieanlagen kennen wir als kommunales und in Osnabrück verankertes Unternehmen die Lage, die räumliche Situation sowie die berechtigten individuellen Interessen rund um den vorgesehenen Pieswerk-Standort sehr gut. Vor diesem Hintergrund ist es für uns von zentraler Bedeutung, etwaige Einschränkungen und Belastungen insbesondere für die Anlieger so gering wie möglich zu halten. Wie bereits ausgeführt, sehen wir uns in der Verantwortung und Verpflichtung, die im Rahmen des BImSchG-Verfahrens festgelegten Emissions-Grenzwerte nicht nur einzuhalten, sondern bestmöglich zu unterschreiten. An dieser Aussage lassen wir uns messen. 

Es ist mittlerweile eindeutig erkennbar, dass durch die Verteuerung und schlechte Verfügbarkeit von Rohstoffen sowie die Entwicklung und politische Förderung von Konzepten der „circular economy“ in vielen Bereichen unseres Lebens Recyclingprodukte zunehmend von der Industrie hergestellt und von den Kunden bevorzugt werden – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Bei gleichbleibend hoher Qualität der Recyclingprodukte ist daher grundsätzlich davon auszugehen, dass ein wirtschaftliches Risiko für die Vermarktung von Recyclingprodukten sinkt. Das zukunftsträchtige Geschäftsfeld der Kreislaufwirtschaft und dabei im Speziellen der Pyrolyse bietet daher enorme Potentiale. Nicht nur Unternehmen wie BASF, sondern auch andere kommunale Stadtwerke haben erkannt, welche Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsergebnisse sich durch die Rohstoffrückgewinnung durch Pyrolyse erzielen lassen. Die Pyrolyse als bedeutendes Instrument der Kreislaufwirtschaft ist daher keine “Brücke”, sondern eine dauerhafte Zukunftslösung – begünstigt durch die politischen Vorgaben des „Green Deals“ sowie nicht zuletzt die angekündigten Initiativen der neuen Ampelkoalition. 

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit hat die Europäische Kommission Schwellenwerte für die Immission der angesprochenen Schadstoffe eingeführt. Immissions-Schwellenwerte geben die am Ort der Belastung maximal zulässige Exposition an, bei der keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind. Sie sind daher auch in Konzentrationen (Masse pro Volumen) oder in Massenstromdichten (Masse pro Zeit und Fläche) angegeben. Immissions-Schwellenwerte für krebserzeugende Stoffe sind in der Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft 2004/107 festgelegt. Dort wird ebenfalls festgelegt, mit welchen Methoden und an welchen Beurteilungspunkten zu messen ist. Der Immissions-Schwellenwert darf nach dieser Richtlinie bei Benzo(a)pyren als Marker für kanzerogene PAKs 1 ng/m3 (ng: Nanogramm) nicht übersteigen. Im Genehmigungsverfahren zum Bau und Betrieb von Anlagen muss hierzu Beweis geführt werden.

Einzelne EU-Länder können weitergehende Schwellenwerte festlegen. Für Deutschland ist dies z.B. in der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft vom 18.08.2021 (TA Luft) erfolgt. Bei Anträgen auf Genehmigung der Errichtung und des Betriebs von Anlagen ist der Nachweis des Einhaltens der Schwellenwerte gefordert. Gemäß TA Luft liegt der Schwellenwert von z.B. Benzol bei 5 Mikrogramm/m3. Alternativ kann die Genehmigungsbehörde bei der Genehmigung sich auch bei der Beurteilung von Emissionen aus Anlagen auf sogenannte Bagatell-Massenströme beziehen. Diese liegen laut TA Luft unabhängig von der Anlagengröße oder der jährlich verarbeiteten Menge bei 0,05 kg/h für Benzol bzw. 0,00026 kg/h Benzo(a)pyren. Wie bereits ausgeführt, werden wir derartige Vorgaben durch die Genehmigungsbehörden einhalten und bestmöglich unterschreiten. 

Kontakt

Serkan Kadi
Serkan Kadi
New Business Manager,                                   Projektleiter Pieswerk 
Alte Poststraße 9
49074 Osnabrück
Mo - Fr 9-12 Uhr und 14-16 Uhr

Fragen und Antworten zum Pieswerk

Fragen-Katalog 1 

Antworten auf Fragen aus der Pieswerk-Infoveranstaltung

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