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Projekt für die Stärkung des Industriestandorts Hafen

35.000 t Schlamm und Sedimente, ein Schwimmbagger, fünf Monate: Die Vertiefung des Hafenbeckens ist eine Mammutaufgabe, die seit Anfang Mai in vollem Gange ist. Dabei steht die Sicherheit vor und bei der Ausbaggerung immer im Mittelpunkt.

Gründliche Kampfmittelsondierung im Voraus

Vier Wochen bevor der eingesetzte Schwimmbagger die erste Schaufel Schlamm aus dem Hafenbecken hob, startete die Kampfmittelsondierung. Denn auch noch nach 80 Jahren werden in Osnabrück immer wieder Blindgänger gefunden. Durch Oberflächenaufzeichnungen konnte die Spezialfirma Eggers über 160 Verdachtspunkte ausmachen. Diese wurden ganz genau per GPS eingemessen. Dann begannen die Taucher ihren Einsatz: mit bis zu 50 kg Ausrüstung und Gewichten untersuchten sie jeden Punkt ganz genau. „Die ersten drei Wochen haben sie viel Blech, Schrott und Eisenstangen an die Oberfläche geholt“, erzählt EHB-Projektleiter Maik Medlitz. Doch dann stießen sie am 6. Mai tatsächlich auf eine 250 kg-Bombe aus dem 2. Weltkrieg. „Auf diesen Fall ist man bei so einer Maßnahme natürlich eingestellt“, so Medlitz. Das komplette Hafengebiet wurde am Folgetag evakuiert und der Kampfmittelräumdienst entschärfte die Bombe. Die Sondierung konnte ein paar Tage später abgeschlossen werden.

Taucher legt Montur an

Taucher birgt Schrottteil

Taucheinsatz wird vom Boot aus überwacht

Sicherheit geht auch bei der Ausbaggerung vor

Doch auch während der Phase der Ausbaggerung gehen alle Beteiligten kein Risiko ein. Jede Baggerschaufel wird in ein Sieb gekippt, sodass größere Teile direkt sichtbar werden. Mitarbeitende der Spezialfirma Eggers haben diesen Prozess immer im Blick. Denn so können sie direkt einschätzen, ob es sich bei einem Gegenstand um ein Kampfmittel handeln könnte. Diese können dann direkt vor Ort unschädlich gemacht werden.

Während der Vertiefung werden rund 35.000 t Schlamm und Sedimente ausgebaggert.

Die Ausbaggerung wird dabei streng überwacht

Der Schlamm wird dazu durch ein Sieb geschüttet

Großer Aufwand – doch wozu?

Hafenbecken müssen regelmäßig ausgebaggert werden. Denn seit der letzten Ausbaggerung 1998 haben sich eine Menge Schlamm und Sedimente am Grund gebildet. Außerdem wurde bislang nur eine Verladetiefe von 2,30 m garantiert. Die Folge: Die Schiffe der vier Hafenanrainer GMH Recycling, Kämmerer, Q1 und Bergschneider können nur noch zu 85 Prozent beladen werden, weil sie sonst zu viel Tiefgang haben. Durch die jetzige Vertiefung von 2,30 auf 2,50 m sind dann rund 200 t Ladung pro Schiff mehr möglich. Ein gutes Argument: denn schon jetzt sorgt der jährliche Schiffsverkehr im Hafen für etwa 45.000 LKW-Bewegungen weniger in der Stadt. Das entlastet den Verkehr und ist deutlich besser für die Umwelt.

Der Osnabrücker Hafen: Ausbaufähiger Industriestandort

Doch auch nach der Vertiefung steht Hafen-Chef Guido Giesen vor einem Problem: „Aktuell können nur recht kleine Schiffe in den Osnabrücker Hafen einfahren. Der Grund dafür ist, dass die Schleusen in Haste und Hollage zu kurz sind.“ Deshalb können die gängigen größeren Europaschiffe diese nicht nutzen. „Wir hoffen, dass wir hier die Unterstützung des Bundes gewinnen können, der für die Wasserstraßen in Deutschland zuständig ist. Denn mit einer Verlängerung von nur 3 Metern auf 85 Metern könnten wir noch mehr Güter von der Straße aufs Wasser holen.“

Cara

Blogger:in

Veröffentlicht am
24.06.2024

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