29.04.2020

LoRaWAN – Smartes Netzwerk für Osnabrück

Lesedauer des Artikels: 4.36 Minuten
LoRaWAN Smart City

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Jahr für Jahr das gleiche Procedere, das sicher viele von Euch, die eine Wohnung gemietet haben, kennen: Die jährliche Ablesung für die Nebenkostenabrechnung, beispielsweise von Warmwasserzählern und Messgeräten an den Heizungen, steht an. Unzählige Mieterinnen und Mieter hüten ihre Wohnung, um im passenden Moment dem freundlichen Herrn mit dem Ablesegerät die Tür zu öffnen. Das bedeutet für viele einen halben Tag Urlaub nehmen oder im Homeoffice arbeiten, um zur vorgegebenen Zeit in der Wohnung zu sein. Nicht gerade bequem. Doch dank LoRaWAN könnte dieses Problem bald intelligent gelöst werden.
 

RaWoLAN? WoLaRAN? LoRaWAN!

LoRaWAN steht für Long Range Wide Area Network und ist ein Funknetz, das weite Gebiete abdecken kann und dabei besonders energiesparend ist. Das unterscheidet LoRaWAN beispielsweise von dem 4G-Netz, das viele Smartphones nutzen. LoRaWAN eignet sich besonders für die Übertragung geringer Datenmengen, wie beispielsweise die Zählerdaten aus unserem oben beschriebenen Beispiel. Auch andere Sensordaten wie Füllstände von Mülleimern, Abwasserkanälen oder Umweltdaten lassen sich perspektivisch über LoRaWAN kostengünstig übertragen. Damit stellt das Funknetz die Basis für das Internet der Dinge (IoT) und die Entwicklung einer Smart City Osnabrück dar. Verwaltung, Gewerbe und Bürgerinnen und Bürger können zukünftig von innovativen IoT-Anwendungen auf Basis von LoRaWAN profitieren.

Erster Einsatz in Osnabrück

12 LoRaWAN-Antennen der SWO Netz GmbH - der Netztocher der Stadtwerke Osnabrück - spannen bereits seit Mitte 2019 ein Funknetz über das Stadtgebiet von Osnabrück. Sie empfangen Signale von Sensoren, die an verschiedenen Stellen zum Einsatz kommen – beispielsweise in Straßenlaternen.

An der Humboldtstraße und an der Bülowstraße wurde bereits die entsprechende Steuerung der Straßenlaternen mit Sensorik ausgestattet, sodass sich nun insgesamt 40 Leuchten je nach gemessener Umgebungshelligkeit selbst ein- oder ausgeschalten. Das war bisher nämlich nicht möglich. In ganz Osnabrück galt „ganz oder gar nicht“, alle Leuchten an – oder eben aus. Diese Anwendung soll zukünftig alle Osnabrücker Straßenlaternen „intelligent“ machen. Besonders nützlich ist diese Möglichkeit der Steuerung im Mai und Dezember: zur Maiwoche und zum Weihnachtsmarkt wird nämlich bislang die Straßenbeleuchtung manuell an jeder einzelnen Laterne rund um die Veranstaltungsflächen in Osnabrück ausgeschaltet, um eine stimmungsvolle Beleuchtung zu ermöglichen.

Auch erste Kleinpumpwerke in Osnabrück wurden bereits mit einem LoRaWAN-Sensor ausgestattet. Diese Pumpen sorgen in dem unterirdischen Kanalsystem für den Transport des Abwassers. Bei einer Störung oder einem Ausfall der Pumpen wird nun ein Signal direkt über das LoRaWAN-Netz übertragen, sodass der Entstördienst umgehend ausrücken und das Problem beheben kann.

LoRAWAN Smart City

12 solcher LoRaWAN-Funkantennen sind bereits in Osnabrück installiert.

LoRaWAN Smart City

Eine erste LoRaWAN Steuerungseinheit für die Straßenbeleuchtung wird für die „Teststrecken“ Humboldtstraße und Bülowstraße eingebaut.

 

Pilotprojekt mit Osnabrücker Start-up

Unser zu Anfang geschildertes Szenario vieler Mieterinnen und Mieter könnte dank LoRaWAN bald ebenfalls der Vergangenheit angehören. Die Energieverbrauchsdaten der Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärmezähler könnten dann regelmäßig über integrierte Sensoren sicher übertragen werden – die Abrechnung zum Jahresende oder bei einem Umzug wäre kein Problem mehr. An genau dieser Lösung arbeitet gerade das Osnabrücker Start-up peerOS gemeinsam mit der SWO Netz, dem Abrechnungsexperten bill-X und dem Messdienstleister smartOPTIMO. „Wir starten im ersten Schritt ein Pilotprojekt und statten ein Mehrfamilienhaus mit den entsprechenden Sensoren aus“, so Daniel Demmer von peerOS. „Die Verbrauchsdaten können stündlich übertragen werden und der Mieter kann auf einer Plattform seine persönlichen Daten einsehen und verwalten. Das unkomfortable Warten auf den Ableser könnte damit bald nicht mehr nötig sein.“
 

LoRaWAN Smart City

©metamorworks/stock.adobe.com

 

Wie geht es weiter?

»Wir entwickeln gerade verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für unser LoRaWAN-Netz«, so Ingo Lemme, der sich bei der SWO Netz um den Aufbau und die Nutzung des Funknetzes kümmert.

„Eine weitere Option ist die Parkraumüberwachung per Sensoren in Osnabrück. Die Information, ob Parkplätze oder andere Flächen frei oder belegt sind, kann nicht nur für die Parkplatzsuche am Samstagvormittag in der City nützlich sein, sondern auch für die Freihaltung von Rettungswegen, beispielsweise vor Krankenhäusern“, beschreibt Lemme ein weiteres Beispiel. Auch beim Raumklimamanagement lässt sich LoRaWAN nutzen: Sensoren, die beispielsweise in Kitas oder Großraumbüros angebracht sind, überwachen Temperatur, CO2-Werte oder auch Feuchtigkeit, melden Abweichungen oder rufen zum Lüften auf. Ähnlich funktioniert die Überwachung der Wasserqualität per LoRaWAN, zum Beispiel im heimischen Gartenteich oder auch in der Hase. Verschiedene Parameter wie Sauerstoffgehalt oder Trübheit können dank eines schwimmenden Sensors erfasst, automatisch übertragen und ausgewertet werden.

»Die Einsatzmöglichkeiten von LoRaWAN sind wahnsinnig vielfältig«, fasst Ingo Lemme zusammen. Egal ob im Wasser, an Land oder in der Luft – die Sensoren lassen sich fast überall anbringen und können verschiedenste Parameter erfassen.«

„So können zukünftig nicht nur Verwaltung und Gewerbe, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger davon profitieren. Auf dem Weg zur „Smart City Osnabrück“ sind wir damit bald einen großen Schritt weiter.“
 

LoRaWAN auf einen Blick

LoRaWAN = Long Range Wide Area Network

Basis für das Internet der Dinge

Energiesparend – eingesetzte Batterie hält bis zu 10 Jahre

Kostengünstig – kein Strom- oder Telekommunikationsanschluss benötigt

Reichweitenstark – bis zu 5 km

Geeignet für kleine Datenmengen
 

Hintergrund SWO Netz GmbH

Die SWO Netz GmbH ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadtwerke Osnabrück und für die Planung, den Bau und den Betrieb der Infrastrukturnetze im Stadtgebiet zuständig. Das umfasst die Sparten Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Telekommunikation sowie Straßenbeleuchtung.
 

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Carina Jakobi

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