12.04.2019

Traumberuf: Fachkraft für Abwassertechnik

Lesedauer des Artikels: 3.89 Minuten
Klärwerk Eversburg von oben

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Jaqueline Schmidt, Auszubildende zur Fachkraft für Abwassertechnik, erzählt in unserem Blog hautnah von ihrer Ausbildung. Was reizt an dem Ausbildungsberuf? Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus oder gibt es den vielleicht gar nicht? Lest selbst:

Jaqueline Schmidt: Biologie und Chemie zählten schon immer zu meinen Lieblingsschulfächern. Mich reizte es einen Arbeitsplatz zu finden, bei dem ich nicht nur im Büro arbeite oder im Labor. Mit meiner Ausbildung als Fachkraft für Abwassertechnik bei den Stadtwerken Osnabrück kann ich all meine Stärken verbinden und mich täglichen neuen Herausforderungen stellen. Mein Einsatzgebiet: Das Klärwerk Eversburg und Hellern.

 

Anfangs hat mich die Komplexität der Anlagen umgehauen. Es verblüfft mich immer wieder wie viele einzelne Verfahrensschritte für den gesamten Reinigungsprozess notwendig sind.

Anfangs hat mich die Komplexität der Anlagen umgehauen. Es verblüfft mich immer wieder wie viele einzelne Verfahrensschritte für den gesamten Reinigungsprozess notwendig sind. Nach einer gewissen Zeit hat man sich aber einen Überblick verschafft und kann mit einer großartigen Mischung aus Arbeit, Berufsschule und verschiedenen überbetrieblichen Kursen, wie Laborkursen, Elektrotechnik- und Verfahrenstechnikkursen, schnell aus einem großen Erfahrungs- und Wissensschatz schöpfen. Die Kurse werden zusammen mit anderen Auszubildenden aus anderen Unternehmen absolviert, sodass man neue Kontakte knüpfen kann.
 

Das ist aber auch gleichzeitig einer der Gründe, die mich an dieser Ausbildung so begeistern: Die Vielseitigkeit meiner Aufgaben. Täglich arbeite ich draußen auf dem Gelände des Klärwerks in Eversburg. Morgens früh um 06:00 Uhr wenn ich zur Arbeit komme, stehen zuerst immer die Probenahmen für das Labor auf dem Plan. Jede Woche hat einen eigenen Plan, dem wir genau entnehmen können, welche Art von Probe an welchem Anlagenteil gezogen werden muss. Zum besseren Transport benutzen wir dazu Fahrräder mit Anhängern, da unsere Anlage sehr groß ist. Sind mehrere Auszubildende im Betrieb, so teilen wie uns die Aufgaben auf und ziehen dann Proben wie Schlämme und Abwässer an verschiedenen Reinigungsstufen der Anlage. Wenn wir alles beisammen haben, wird ein Teil der Analytik in unserem eigenen Betriebslabor vorgenommen, der andere Teil wird im Zentrallabor an der Luisenstraße analysiert.
 

Sichttiefemessung in der Nachklärung

Sichttiefemessung in der Nachklärung

Regelmäßige Kontrollgänge auf der gesamten Anlage

Regelmäßige Kontrollgänge auf der gesamten Anlage

 

Zusammenarbeit von Technik, Biologie und Chemie

Anschließend findet eine Besprechungsrunde mit dem gesamten Team statt, wo tägliche Aufgaben besprochen werden, aber ebenso Raum für organisatorische Fragen ist. Nach der Besprechung sieht jeder Arbeitstag anders aus. Zu den routinemäßigen Aufgaben zählen die Kontrolle der Messtechnik auf der Anlage, so wie die Überprüfung der Genauigkeit der Geräte, genauso wie die Reinigung der Messtechnik. Andere Aufgaben sind Laboranalysen, die mit Nass- oder Schlammanalytik sowie Küvettentest auch sehr vielfältig sein können – es ist in jedem Fall immer wieder spannend die Zusammenarbeit von Technik, Biologie und Chemie hautnah miterleben zu können.

Immer wieder fallen auch kleinere handwerkliche Aufgaben an. Wie zum Beispiel das Auseinanderbauen einer Pumpe. Das ist aber gar kein Problem, denn am Anfang der Ausbildung  besucht man einen umfassenden Metallkurs zusammen mit anderen Auszubildenden aus anderen Berufsfeldern der Stadtwerke, indem sogar Löten und Schweißen auf dem Lehrplan stehen.

Nach ein paar Wochen Einarbeitungszeit können kleinere Aufgaben bereits selbstständig von uns Auszubildenden übernommen werden. Dabei macht es besonders viel Spaß im Team neue Herausforderungen zu meistern und dabei immer selbstsicherer im Umgang mit der Anlage zu werden. Es ist aufregend zu beobachten, wie jede kleine Veränderung einen immensen Einfluss auf den weiteren Ablauf der Anlage nehmen kann.

Besonders wichtig ist mir auch die Nachhaltigkeit meines Berufes. Einzelne Bestandteile des Abwassers können nach dem durchlaufen des Prozesses wiederverwertet werden. So wird zum Beispiel der Klärschlamm am Ende als Dünger für Felder gebracht und das gewonnene Methan aus dem Faulturm wird zur Gewinnung von Strom und Wärme für unsere Anlage verwendet.

Auch das Azubi Plus Programm der Stadtwerke bietet einem die Möglichkeit sich über den Beruf hinaus und für sein eigenes Leben weiterzuentwickeln. So gibt es zum Beispiel einen gemeinsamen Kochnachmittag und ein Modul über Bewegung, indem man theoretisch und praktisch viel über seinen Körper und Bewegung lernen kann. An diesen Modulen nehmen alle Auszubildenden aus allen unterschiedlichen Unternehmensbereichen der Stadtwerke teil. So hat man ein großes Team, in dem es immer wieder Spaß macht solche Module gemeinsam zu erleben.
 

Mein persönliches Fazit

Würde man mich fragen, wie ich rückblickend meine Ausbildungswahl betrachte, so würde ich antworten, dass ich diesen Ausbildungsberuf als Fachkraft für Abwassertechnik jederzeit wieder ergreifen würde. Die Erfahrungen auf zwei Klärwerken und einer Sickerwasseranlage zu arbeiten, führt dazu, dass man unendlich viele Erfahrungen mitnehmen kann. Durch die Kombination der unterschiedlichen Bereiche (auf dem Gelände, in dem Labor oder im Büro) werde ich immer wieder herausgefordert neue Aufgabenstellungen zu lösen.

Jeder der genau diese Vorlieben teilt, wird in einer Ausbildung als Fachkraft für Abwassertechnik seinen Traumausbildungsplatz finden.

Ein Kommentar

Hans Brandt

26. Juli 2019 um 9:56

Mein Sohn interessiert sich für das technische Handwerk des Abwassers. Er ist sehr handwerklich und ich sehe, dass es Trainings gibt. Ich denke, es wird für ihn kein Problem sein. Ich sehe, dass es in diesem Sektor unterschiedliche Arbeitsplätze gibt, das zeigt, dass man sich entwickeln kann.

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Lisa Hoff

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12.04.2019

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