22.12.2015

Motorsäge, Äpfel und Steinkäuze – ein ganz normaler Samstag auf der Streuobstwiese

Lesedauer des Artikels: 2.51 Minuten
Streuobstwiese Osnabrück

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Für Friedhelm Scheel war es Liebe auf den ersten Blick: „Als ich das erste Mal hier war, wusste ich sofort: Das ist ein ganz besonderes Schmuckstück“, erinnert er sich. Friedhelm Scheel ist Koordinator der AG Naturschutzjugend der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land e.V. (ANTL).

Das Schmuckstück ist eine Streuobstwiese im Besitz der Evangelischen Stiftungen und liegt hinter einem Fachwerk-Gehöft in Osnabrück-Sutthausen inmitten einer klassischen Kulturlandschaft aus Feldern und Wald. Sie ist 6,5 Hektar groß, der Baumbestand eine Mischung aus alten und jungen Apfelbäumen, das Gras wird durch regelmäßige Schafbeweidung im Sommer kurz gehalten.

Obstwiese

Friedhelm Scheel und "seine" Jugendlichen besprechen den Aufgabenplan für den Tag.

„Optimale Bedingungen“, fasst Friedhelm Scheel zusammen. Dann folgt seine Aufzählung unterschiedlicher Vogelarten, die hier ihr Zuhause gefunden haben.

Dazu gehört auch der Steinkauz, um dessen Schutz sich der Verein besonders bemüht: „Wir haben hier zwei Steinkauz-Röhren aufgehängt“, erklärt Ernesto Wiebrock, einer der Jugendlichen, die an diesem ungemütlichen Samstagmorgen zur Pflege der Streuobstwiese angerückt sind. „Eine wird regelmäßig, die andere ab und zu genutzt.“

Auf die Frage, was sie denn dazu antreibt an einem Wochenende ihre Zeit mit Baumpflege, dem Bau von Totholzhecken, der Installation von Steinkauz-Röhren und dem Sammeln von Fallobst zu verbringen, lautet die schlichte Antwort der 18-jährigen Katja Weber: „Wir sehen doch, dass wir damit etwas bewirken. Wir arbeiten für die Zukunft.“ Wie einige andere ist sie schon lange in der 2004 gegründeten Gruppe und kann schon auf einige Erfolge und Auszeichnungen zurückblicken.

»Wir sehen doch, dass wir damit etwas bewirken. Wir arbeiten für die Zukunft.«

Etwa 30 Jugendliche zwischen zehn und 25 Jahren gehören zur ANTL-Jugend, etwa ein Drittel sind Mädchen. „Und die packen richtig zu. Eine hat auch schon den Motorsägen-Schein“, erklärt Friedhelm Scheel nicht ohne Stolz.

Eintopf essen

Ist zum gemeinsamen Ritual geworden: Der wohlverdiente Eintopf nach getaner Arbeit.

Die Sägen kommen unter anderem zum Einsatz, um Obstbäume auszulichten, damit diese bei Sturm wenig Angriffsfläche bieten. Auch heute sind Friedhelm Scheel und die Jugendlichen mit Hochentaster und Motorsäge unterwegs. Das ausgeschnittene Holz wird zum Teil in einer Totholzhecke verbaut, die wiederum ein wichtiger Lebensraum für Kleintiere und Insekten ist.

Auf Bitte der Evangelischen Stiftungen sammelt die Gruppe an diesem Morgen außerdem noch säckeweise Fallobst zum Mosten. Doch was machen die Jugendlichen, wenn das Wetter keinen Außeneinsätze zulässt? Dann stehen der Bau von Nisthilfen und die Planung von Info-Veranstaltungen auf dem Programm. Diese führt die ANTL-Jugend zum Beispiel an Schulen durch: „Da halte ich mich inzwischen etwas zurück. Die können viel besser mit der ganzen Technik umgehen“, räumt Friedhelm Scheel ein. „Trotzdem müssen wir dich manchmal bremsen“, antworten die Jugendlichen. „Er ist zwar sehr engagiert, aber nicht immer sehr diplomatisch“, so ihr einhelliges Urteil. Andererseits sei die Gruppe ohne ihn nicht vorstellbar. Friedhelm Scheel wiederum ist sichtlich stolz auf „seine“ Jugendlichen. Beim wohlverdienten Eintopf nach dem Einsatz blickt er zufrieden in die Runde: „Die Gruppe ist einfach einmalig!“

Von der Pflicht zur Kür – eine Wiese für bunte Ideen, lesen hier: wie es die ESOS GmbH auf der Streuobstwiese in Hellern macht.

Ein Kommentar

Kettensägen Willi

17. Oktober 2016 um 11:25

Hallo, toll das die Jugend heute noch für sowas zu begeistern ist und mit anpackt. So etwas solltees viel mehr geben. Finde ich große klasse!

Viele Grüße Willi

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Lisa Hoff

22.12.2015

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