17.11.2015

Von der Pflicht zur Kür – eine Wiese für bunte Ideen

Lesedauer des Artikels: 3.96 Minuten
Obstwiese Hellern

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Mit vereinten Kräften geht es besser: Schüler mit Förderbedarf und Berufsschüler graben gemeinsam Löcher, pflanzen schwere Wurzelballen hinein und befestigen die Stämme an den Standhilfen, die Fachleute „Dreiböcke“ nennen. Hintergrund: Die ESOS GmbH (Energieservice Osnabrück GmbH) – eine 100-prozentige Tochter der Stadtwerke Osnabrück  – muss für Eingriffe in die Natur und Landschaft einen Ersatz leisten, eine Kompensation. Das Gesetz will es so. Doch was auf einer Streuobstwiese in Hellern geschieht, ist viel mehr als eine Pflichtübung. Hier geht es um Teilhabe, um Umweltbildung und um Kreativität.

Obstwiesen Pflanzaktion: Team

Dezember 2013: Mit vereinten Kräften geht es los!

Im Umgang mit Ausgleichsflächen hat sich die ESOS nämlich für eine aktive Gestaltung entschieden. Sie will mehr tun als nur ihrer Pflicht zu genügen. Das gilt auch für die ehemalige Ackerfläche in unmittelbarer Nachbarschaft zum 2012 angelegten Klimawald. Maike Gering, Diplom-Geografin und Projektverantwortliche für die Kompensationsfläche in Hellern, hat dazu jede Menge Ideen.

»Unser Ziel ist es – und gleichzeitig auch die Kür – den Osnabrückern diese Fläche als Raum für Erfahrungen unterschiedlichster Art anzubieten.«

Vor allem für Kinder und Jugendliche sei das Pflanzen, Pflegen und Ernten unter fachkundiger Anleitung ein Teamerlebnis mit nachhaltigen Folgen: „Hier können sie mit allen Sinnen Kompetenzen aufbauen und Fähigkeiten trainieren, die im Alltag und im Beruf immer wieder gefragt sind: Offenheit für neue Herausforderungen, Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen, Verantwortungsbereitschaft, Teamgeist und die Motivation, sich mit Themen nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen“, ist Maike Gering überzeugt. Da lag es auf der Hand, die Gestaltung der Wiese im Dezember 2013 mit einer Pflanzaktion mit Jugendlichen zu beginnen.

Ide(e)alisten gesucht!

Wenn Sie die Streuobstwiese in Hellern erkunden möchten, z. B. zum Tiere beobachten, Pflanzen bestimmen, künstlerischen Gestalten, wissenschaftlichen Arbeiten, dann melden Sie sich bei: maike.gering@stw-os.de

Gemeinsam aktiv ohne Aufforderung

Die vorbereitenden Arbeiten erledigten 21 Schüler der Fachrichtungen Gartenbau und Landwirtschaft an der Berufsbildenden Schule Haste. Während sie im Schulalltag meist Flächen planen und gestalten, deren Entwicklung sie nicht über einen längeren Zeitraum verfolgen können, können sie hier eine traditionelle Kulturform, nämlich den Anbau von Streuobst, langfristig begleiten. Begeistert setzten die Schüler ihr theoretisches Wissen drei Tage lang Spatenstich für Spatenstich in die Praxis um. Bereits am ersten Tag bekamen sie tatkräftige Unterstützung von zehn Jugendlichen aus der Montessori-Schule. „Was wir da erlebten, war einfach einmalig“, erinnert sich Maike Gering. Nur kurz arbeiteten die 30 Nachwuchsgärtner nach Gruppen getrennt, dann gingen die ersten Schüler mit Förderbedarf ohne Berührungsängste auf die Berufsschüler zu.

Obstwiesen PflanzaktionDie bunt gemischte Gruppe packte schon nach kurzer Zeit mit vereinten Kräften gemeinsam an. Die Arbeit Hand in Hand beeindruckte. „Die Pädagogen haben gestaunt, wie schnell und unkompliziert die Schüler aufeinander zugingen und miteinander arbeiteten“, erzählt Maike Gering. Insbesondere bei den Montessori-Schülern wirkt die Aktion nach: „Heute wurden wir wieder mal, von Schülern gefragt, ob es wieder eine Baumpflanzaktion geben würde“, berichten Karin Bludau und Solveig Speidel von der Montessori-Schule. „Es ist wunderbar dann antworten zu können: Ja, im Dezember, und du bist wieder dabei.“ Die Aktion präge das Bewusstsein der Schüler über Abläufe in der Natur nachhaltig und: „Die gemeinsame Arbeit mit den Berufsschülern ist auch in Zeiten, in denen alle von Inklusion reden, für unsere Schülerinnen und Schüler etwas Außergewöhnliches.“

Facettenreiches Naturerlebnis

Doch das Anlegen der Streuobstwiese ist erst der Anfang. Maike Gering betrachtet das Projekt als Chance, langfristig gemeinschaftliche Aktivitäten sowie das Umweltbewusstsein zu fördern:

»Immerhin sind bis zu 5.000 Tierarten und eine große Anzahl von Wiesenkräutern auf einer Streuobstwiese beheimatet.«

Die Wiese, die Bäume und später die Früchte – das alles soll mit vielen Kooperationspartnern gepflegt und genutzt werden. So werden sich auch in Zukunft Berufsschüler um Pflanzschnitt und Baumpflege kümmern. Einige Schulen würden die Früchte gerne in ihren von Schülerfirmen betriebenen Cafeterien verwenden. Schafe werden die Wiese kurz halten. Außerdem kann die Wiese ein Ort der Wissenschaft werden – für Studien oder Projekte. Es können Nisthilfen oder Insektenhotels gebaut werden, oder ein Malkurs kann die Wiese als Motiv entdecken. „Wir möchten hier eine Plattform für viele kreative Ideen anbieten“, sagt Maike Gering. Somit kann ein Ort für naturnahe und nachhaltige Bildungsprojekte entstehen, aber auch ein Treffpunkt für Menschen, die Natur- und Umweltschutz erleben und mitgestalten möchten. Und dann wird aus einer Kompensationsfläche ein wertvoller Erfahrungs- und Lebensraum für Mensch und Natur.

Was bedeutet Kompensation?

Kompensation ist in der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung der Ausgleich oder Ersatz für Beeinträchtigungen im Umgang mit Natur und Landschaft. Baumaßnahmen der ESOS GmbH (Energieservice Osnabrück GmbH – eine 100-prozentige Tochter der Stadtwerke Osnabrück) auf dem Gelände der ehemaligen Winkelhausenkaserne zogen solche Kompensationsmaßnahmen (= Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen) nach sich. Als Kompensationsfläche wurde das Gelände in Hellern ausgewählt, das direkt an den Klimawald anschließt, der bereits 2012 im Rahmen der KUK-Initiative der Stadtwerke (KompetenzUmweltKlima) aufgeforstet wurde.

Weitere Projektpartner: Waldpädagogikzentrum Ahlhorn;
Forstamt Weser Ems; Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück; Weidelandschaften e. V.

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Lisa Hoff

17.11.2015

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