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Hochkomplexes Puzzlespiel

Wir stehen kurz vor dem offiziellen Startschuss: Ab dem 01.01.2024 ist eine kommunale Wärmeplanung auch in Niedersachsen verpflichtend. Die Stadt Osnabrück setzt sich allerdings schon länger mit dem Thema Wärmewende auseinander. Und wir als Stadtwerk vor Ort sind mit unserer Tochter, der SWO Netz, dabei natürlich auch im Boot. Mit dem Masterplan Wärme haben wir bereits einige wichtige Grundlage geschaffen, auf die in der kommunalen Wärmeplanung weiter aufgebaut werden kann.

Der Status Quo

In Osnabrück dominiert ganz klar ein Energieträger: Erdgas. 80 % aller Heizungen werden damit betrieben. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Unsere Stadt hat eine große, gewachsene Altstadt mit denkmalgeschützten Gebäuden, bei denen eine energetische Sanierung nicht immer einfach ist. Außerdem sind ca. die Hälfte der Bestandsimmobilien in den 50er bis 70er Jahren gebaut worden und ebenfalls noch nicht vollständig saniert. Die Folge: Der Energiebedarf dieser Gebäude ist hoch! Hier kommen in den meisten Fällen wegen der hohen Vorlauftemperaturen und der schwierigen Platzverhältnisse keine Wärmepumpen in Frage. Ähnliches gilt für Pelletheizungen: auch die brauchen viel Platz.

Stadtwerke Osnabrück - Gas

Fernwärme: Wenn das so einfach wäre…

Fernwärme kann bei solchen Gegebenheiten der Schlüssel sein. Diese kann aus mehreren Quellen gewonnen werden.

In einigen Städten gibt es z.B. größere Erzeuger von unvermeidbaren Abwärmequellen – etwa aus industriellen Prozessen. „Unvermeidbar“ bedeutet, dass die Abwärme als Nebenprodukt aus industriellen, gewerblichen oder IT-technischen Prozessen entsteht und dabei nicht selbst genutzt oder durch Effizienzmaßnahmen eingespart werden kann. Was übrig bleibt, kann als „Abfallprodukt“ Wärme über ein Rohrleitungssystem in die angeschlossenen Haushalte und Unternehmen gebracht werden. In Osnabrück sind zwar einige Industriebetriebe ansässig, die auch Abwärme produzieren. Die Mengen sind aber als alleinige Wärmequelle zu gering. Außerdem ist es möglich, dass diese Unternehmen in Zukunft immer mehr Abwärme vermeiden können, sodass man sich auf diese Quellen nicht uneingeschränkt verlassen kann.

In einigen Gegenden bietet außerdem Tiefengeothermie ein großes Potenzial. Hier wird die Wärme tief unter der Erde gewonnen, wo die Temperaturen das ganze Jahr über konstant sind. Bei dieser Option hat die Natur unserer Stadt wortwörtlich Steine in den Weg gelegt – denn das Osnabrücker Erdreich ist leider ziemlich felsig, sodass man nicht tief genug bohren kann.

Auch die Wärme aus Oberflächengewässern kann „angezapft“ und genutzt werden – mit dem Prinzip der Wärmepumpe. Hier eignen sich etwa große Seen und Flüsse. Unsere Hase ist dafür leider zu klein. Würden wir ihr ständig Wärme entziehen, könnten wir wahrscheinlich ganzjährig Schlittschuh fahren. Klingt lustig – wäre es für die Natur aber sicherlich nicht.

Wärme-Puzzle: Potenziale flexibel nutzen

Deswegen wird die Wärmewende in Osnabrück komplex. Wichtig ist es nun in die Umsetzung zu kommen und mit entsprechenden Maßnahmen möglichst schnell auf das Ziel einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung hinzuarbeiten. Schon jetzt (und übrigens bereits seit 1992) betreiben wir Nahwärme-Netze in unserer Stadt: mittlerweile 6 öffentliche und 11 Quartiersnetze. Bei der Planung berücksichtigen wir dabei immer die jeweiligen Wärmepotenziale vor Ort. Etwa bei unseren Netzen „Alte-Landebahn“ und „Auf der Hegge“: Hier werden die Heizzentralen mit Deponiegas betrieben, das in der stillgelegten Mülldeponie am Piesberg entsteht und „eh weg muss“. Bei der Umsetzung weiterer Nahwärme-Netze könnten außerdem oberflächennahe Geothermie, Freiflächen-Solarthermie, feste Biomasse oder Abwasser-Wärme als Energiequellen genutzt werden – je nach den Gegebenheiten und Möglichkeiten vor Ort.

Unsere Nahwärme-Zentrale Auf der Hegge

Unsere Nahwärme-Zentrale an der Kaffee-Partner-Allee

Ihr merkt: Die Wärmewende in Osnabrück ist ein hochkomplexes Puzzle – knifflig aber auch echt spannend! Wir freuen uns drauf!

Cara

Blogger:in

Veröffentlicht am
04.12.2023

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