04.02.2019

Zwischen Perücke und Pinsel beim Theater Osnabrück

Lesedauer des Artikels: 3.14 Minuten

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Was steckt hinter dem Karneval-Schminkkurs in der Vorteilswelt?

Als Thorsten Kirchner, Chefmaskenbildner im Theater Osnabrück und ich für dieses Interview auf dem Weg zu seinem Büro sind, weiß ich noch nicht so recht, was ich mir unter dem Job „Maskenbildner“ vorstellen soll. Klar, sie sind für die Maske der Theater-Darsteller verantwortlich. Aber wie kommt man überhaupt zu dem Beruf und wie läuft das alles dann tatsächlich bei einer Aufführung ab? Oben angekommen, gehen wir auf dem Weg zu Herrn Kirchners Büro durch einen Raum mit vielen Spiegeln, Pinseln, Perücken und verschiedenen Döschen. Dies ist das Herzstück der Maskenbildnerei.

 

So viele Eindrücke...

 

 

Ich bin direkt fasziniert und weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll.

 

Und auch Herrn Kirchner merkt man seine Begeisterung für seinen Beruf hier direkt an. Doch in diesem Job war er nicht immer tätig. „Tatsächlich habe ich zuerst eine Ausbildung als Bankkaufmann abgeschlossen. Ich habe jedoch schnell gemerkt, dass das nicht der passende Beruf für mich war. Es war mir irgendwie zu eintönig. Durch die Mutter eines Freundes lernte ich den Beruf des Maskenbildners kennen. Der Job faszinierte mich so sehr, dass ich direkt einige Praktika machte. Die Begeisterung wuchs und so machte ich schließlich eine Ausbildung zum Friseur mit dem Ziel, Maskenbildner zu werden.

 

Als solcher bin ich jetzt seit 1989 tätig, im Theater Osnabrück seit 2014 als Chefmaskenbildner. Bis heute bin ich sehr glücklich über meine Entscheidung.“ Und das merkt man ihm auch an. Ich schaue mich in seinem Büro um, verschiedenste Skizzen aufwändiger Kostümierungen hängen an der Wand.

 

Wie lange dauert es wohl, so ein Make-Up zu schminken?

„Das ist immer ganz individuell und daher schwer zu sagen. Ganz allgemein gesagt kann man hier im Durchschnitt mit etwa 30 Minuten rechnen. Bei den Aufführungen spielt es sich ja irgendwann ein. Nach der 5. oder 6. Aufführung sitzen die Griffe schon sehr gut und dann geht alles auch ein bisschen schneller.“ Aber zu einem „Alltag“ im herkömmlichen Sinne kommt es in seinem Beruf nicht. Die Arbeitszeiten sind immer völlig unterschiedlich, angelehnt an die jeweiligen Spielzeiten. Für Herrn Kirchner ist das ideal. „Für mich wären geregelte Arbeitszeiten, in denen der Arbeitsbeginn morgens um 8 Uhr und Arbeitsende um 17 Uhr ist, nichts.

»Ich bin wirklich froh, dass ich hier diese Abwechslung habe, das ist sehr wichtig für mich«, so Kirchner.

„Wir bekommen von den Kostümbildnern im Vorfeld die Info darüber, wie die Maske auszusehen hat. Auf der Basis arbeiten wir dann. Dabei muss gut im Voraus geplant werden. Häufig machen wir Gipsabdrücke der Köpfe unserer Schauspieler, um die Perücken passend zu gestalten.“ Und wie kann man sich die Atmosphäre in der Maske vor einer Aufführung vorstellen? „Das Verhalten der Schauspieler vor den Aufführungen ist sehr spannend. Die Reaktionen sind hier völlig unterschiedlich, die einen haben großen Redebedarf und versuchen sich abzulenken, während die anderen eher in sich gekehrt sind und die Texte noch einmal durchgehen.“

 

Karneval-Schminktipps vom Experten

Da die Karnevalszeit vor der Tür steht und ich hier ja gerade einen Experten vor mir habe, stellt sich mir die Frage, ob man irgendetwas Besonderes beachten muss, um mit ordentlichem Make-Up durch den Karnevals-Tag zu kommen.

 

„Kann man so pauschal nicht sagen. Auch dies ist wieder völlig individuell und vom Hauttyp sowie dem jeweiligen Make-Up abhängig. Für Schattierungen oder bei fettiger Haut wird zum Beispiel Fettschminke benutzt. Wenn man eher feinere Linien wie zum Beispiel bei einem Clowns-Gesicht malen möchte, ist Wasserschminke geeigneter.“ Und ist Karneval für jemanden, der Make-Up, Perücken und Co. zu seinem Beruf gemacht hat, ein persönliches Highlight im Jahr? Herr Kirchner lacht und antwortet: „Tatsächlich gar nicht. Da ich in meinem Beruf bereits täglich damit zu tun habe, reizt es mich nicht, dies auch in meiner Freizeit auszuüben. Außerdem komme ich aus Hamburg, da hat man mit Fasching sowieso nur wenig am Hut.“

 

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Nathalie Barkau

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