20.06.2016

Holz für Osnabrück. Das Flößen im Hafen.

Lesedauer des Artikels: 1.74 Minuten
Floß in der Schleuse des Hafen osnabrück

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Bau der Flöße an der Oberweser, 1930, Privatbesitz

Bau der Flöße an der Oberweser, 1930, Privatbesitz

Mit dem Floß die Weser stromabwärts fahren, ist heute ein Freizeitspaß. Vor 80 Jahren dagegen war es ein gewohntes Bild, wenn große Holzflöße als Transportmittel den Fluss entlangtrieben. Die Flößerei, in Norddeutschland seit dem 13. Jahrhundert bekannt, erlebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen bemerkenswerten Aufschwung. Die mit der Industrialisierung einhergehende Bautätigkeit und ein erhöhter Energiebedarf steigerten die Nachfrage nach Holz. Da Transportwege und -mittel noch nicht in erforderlichem Maße vorhanden waren, bot sich der Weg auf dem Wasser als kostengünstige Alternative an.

Das Floß in der Schleuse, 1930, Privatbesitz

Das Floß in der Schleuse, 1930, Privatbesitz

 

Mit der Inbetriebnahme des Osnabrücker Hafens eröffnete sich diese Möglichkeit auch für hiesige Firmen. Für eines der holzverarbeitenden Unternehmen im Hafen, dem „Dampf-, Säge- und Hobelwerk“ von Wilhelm Schnieder, traf 1930 das erste große Holzfloß ein. In den Wäldern des Sollings geschlagen und an das Ufer der Weser transportiert, fügten Flößer dann die Stämme zusammen. Anschließend wurden sie über den Fluss bis zum Mittellandkanal und von dort aus nach Osnabrück gebracht.

Das erste Floß der Firma Wilhelm Schnieder im Osnabrücker Hafen, 1930, Privatbesitz

Das erste Floß der Firma Wilhelm Schnieder im Osnabrücker Hafen, 1930, Privatbesitz

Das Flößen von Langholz war eine anstrengende und gefährliche Arbeit, die viel Geschicklichkeit erforderte. Allein für die Herstellung der Holzkonstruktion, in der die verschiedenen Holzarten ihren Platz bekamen und fest verbunden werden mussten, waren Erfahrung, Sorgfalt und ausreichende Fachkenntnisse vonnöten. Schließlich sollte das temporäre Transportmittel mitsamt den Flößern unbeschadet den Adressaten erreichen. Nahm das Floß Fahrt auf, konnte es mittels eines Ruders in der Strömung gesteuert werden. Das wichtigste Werkzeug der Flößer aber war der Floßhaken, der bereits bei der Waldarbeit mit den Stämmen zum Einsatz kam und zum Lenken der Flöße diente. War die künstliche Wasserstraße erreicht, mussten die Flöße getreidelt oder mit Schleppdampfern bewegt werden, weil die natürliche Strömung fehlte.

 

 100 Jahre Hafen Osnabrück - anlässlich des Jubiläums veröffentlichen wir in Zusammenarbeit mit dem Museum Industriekultur auf unserem Blog regelmäßig Fakten aus der bewegten Geschichte des Osnabrücker Hafens. Diese Beiträge wechseln sich ab mit Portraits von Zeitzeugen und Menschen, die am Hafen arbeiten und/oder leben.

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Barbara Kahlert

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