11.11.2015

Der Elefantenpfleger des Osnabrücker Zoos

Lesedauer des Artikels: 3.52 Minuten
Detlef Niebler im Zoo Osnabrück

54891


"Man muss den Tieren was bieten!"

Detlef Niebler arbeitet seit 40 Jahren im Osnabrücker Zoo

Osnabrücker Zoobesucher kennen den Mann mit der dunklen Löwenmähne schon seit 40 Jahren. Damit ist Detlef Niebler der dienstälteste Mitarbeiter auf dem Schölerberg. Für viele Zoofans ist er ein Urgestein – unverwechselbar geblieben in der sich stetig wandelnden Zoowelt. Unverwechselbar auch in seiner herzlichen Art gegenüber Tieren und Menschen.

So unverwechselbar, dass Osnabrücker ihn auch außerhalb des Zoos erkennen. Es seien jedoch nicht die Zoobesucher, sondern vor allem ehemalige Praktikantinnen oder Praktikanten, die ihn ansprächen: „Da kommen dann oft schöne Geschichten wieder in Erinnerung.“ Einmal habe ihm eine erwachsene Frau sogar gestanden, sich während ihres Jahre zurück liegenden Schulpraktikums ein wenig in ihn „verguckt“ zu haben. Meist kreisten die Gespräche jedoch um die Tiere und den Zoo: „Auch wenn ich beim Arzt bin oder Behördengänge machen muss – dank meines Berufes gibt es immer ein Gesprächsthema.“

»Es kommt schon mal vor, dass ich auch beim Einkaufen in der Stadt erkannt werde,«

sagt Niebler.

Ein Junggesellentrupp im Osnabrücker Zoo

Zur Zeit hat Detlef Niebler viel Neues zu erzählen. Denn erstmals lebt eine reine Männer-WG im Elefantengehege – ein in Europa einmaliges, wissenschaftlich begleitetes Projekt und auch für einen alten Hasen wie Detlef Niebler Neuland. „Ich finde das äußerst spannend, das ist noch einmal eine ganz spezielle Herausforderung“, erklärt der 61-Jährige mit blitzenden Augen. Junggesellentrupps ziehen auch in freier Wildbahn umher, meist unter Leitung eines älteren Bullen. Diese Rolle hat Luka in Osnabrück übernommen. Mit seinen 40 Jahren hat Luka eben soviel Lebenserfahrung als Elefant wie Detlef Niebler als Elefanten-Pfleger, der den Besuchern erklärt, warum die Jungbullen derzeit einen Bogen um den Herdenführer machen. Luka ist gerade in der Musth (sprich: Mast). „Musth, das heißt, dass er im Frühjahr einen 40-fach höheren Testosteronwert hat als normal. Da weiß er selbst nicht mehr, was er tut. Deshalb lassen wir ihn lieber in Ruhe“, so der erfahrene Tierpfleger mit Blick auf den abseits stehenden Luka. Die drei- bis fünfjährigen Jungbullen hingegen lassen sich gerne für eine kleine Abwechslung an den Zaun locken. „Wir haben nie ungeschützten Kontakt zu den Tieren. Mithilfe eines medizinischen Trainings lernen sie aber zu uns zu kommen, damit wir sie beispielsweise untersuchen können“, erklärt Niebler die so genannte „Hands-off-Haltung“.

»Früher haben wir den Tagesablauf der Tiere so strukturiert, wie er am besten in die Abläufe des Zoos passte, heute richten wir uns nach den Bedürfnissen der Tiere.«

Zoobesucher bringen heute viel Vorwissen mit

„Die Gehege haben sich verbessert, die Tiere haben mehr Rückzugsmöglichkeiten und mehr Abwechslung“, erzählt Niebler. Doch nicht nur der Zoo, auch seine Besucher haben sich verändert: „Sie haben viel mehr Vorwissen und kommen auch mit kritischen Fragen auf uns zu.“ Detlef Niebler beantwortet diese gern. Durch seine Erfahrung und regelmäßigen Austausch mit Kollegen aus aller Welt hat er ein umfassendes Wissen gesammelt. Das teilt er gerne – mit Besuchern und mit Kollegen, zu denen seit einiger Zeit auch seine Tochter gehört. Auf die Frage, ob Tierpfleger sein Traumjob sei, antwortet Detlef Niebler ohne zu zögern: „Ja, schon immer!“

Herr Niebler im Zoo Osnabrück

In den 40 Jahren seiner Tätigkeit im Osnabrücker Zoo und durch den regen Austausch mit Kollegen aus aller Welt hat Detlef Niebler ein umfassendes Wissen gesammelt.

Am häufigsten ist er bei den Elefanten oder im Menschenaffenhaus anzutreffen, für die er als Revierleiter verantwortlich ist. Voller Respekt, Zuneigung und mit viel Sachkenntnis erzählt er von seinen Lieblingstieren: „Ich arbeite besonders gerne mit Menschenaffen und Elefanten, weil sie sehr anspruchsvoll sind. Man muss ihnen immer etwas Neues bieten. Sie wollen beschäftigt werden, sind neugierig und manchmal auch ehrgeizig.“ Ohne Animationsprogramm, das sie beschäftigt, langweilen sich Menschenaffen, vor allem im Winter, wenn nur wenige Besucher kommen.

Von den Tieren könne man lernen, sagt Detlef Niebler nachdenklich: „In Sachen Familienzusammenhalt und Sozialverhalten können wir Menschen uns ein Beispiel nehmen, da ist bei uns im Laufe der Evolution einiges abhanden gekommen.“ Ihn habe einmal sehr beeindruckt, wie umsichtig einige Herdenmitglieder die gehbehinderte, unsichere Sikkim über eine glatte Stelle am Boden geleitet hätten. Und auch einige Erziehungsmethoden der Affenmütter seien vorbildlich.

Nach so langer Zeit im Traumjob hebt sich Detlef Niebler immer noch einen „tierischen“ Traum für seinen Ruhestand auf:

»Dann möchte ich einmal nach Afrika reisen und Elefanten in ihrer natürlichen Umgebung erleben.«

Mehr zum Zoo Osnabrück:

Hier beantwortet die Osnabrücker Seite Hasepost.de die Frage: Gehen Elefanten zur Pediküre

9 Kommentare

Martin Wobker

12. Dezember 2015 um 10:18

Würde gerne mal wieder in den Zoo

Antworten

Oliver Kötter

11. Dezember 2015 um 19:36

Der Zoo in Osnabrück ist immer einen Besuch wert … egal für wen, es ist für jedermann/-frau interessant den Zoo zu besuchen …..

Antworten

Ann-Kathrin Bluhm

11. Dezember 2015 um 18:36

Meine Kinder und ich lieben den Zoo Osnabrück?

Antworten

Rico

11. Dezember 2015 um 16:28

Sehr schön geschrieben und ein großes Lob an alle Verantwortlichen des Osnabrücker Zoos, die sich so sehr dafür einsetzen, dass die Tiere sich wohl fühlen.

Antworten

Sandra

11. Dezember 2015 um 16:08

Sehr schöner Beitrag, würden uns dass gerne von nahem Betrachten.

Antworten

Ivonne Josef - Brinkmann

11. Dezember 2015 um 15:42

Ein toller Bericht, so einen Beruf kann man nur mit Bedingungsloser Liebe zu diesen tollen Tieren ausüben. Früher als Kind wollte ich auch Tierpflegerin werden, habe aber doch einen anderen Weg eingeschlagen.
Meine Tochter liebt den Zoo sehr und deshalb würden wir uns natürlich über 2 Eintrittskarten sehr freuen, schließlich passiert im Frühjahr immer ganz viel im Zoo. ???
??????????

Antworten

Jennifer

11. Dezember 2015 um 15:03

Den Traum kann ich sehr gut nachvollziehen und ich hoffe, dass er sich seinen Traum auch erfüllen kann.

Mein Sohn ist jetzt 13 Monate und wir würden Ihm gerne mal endlich die Tiere im Zoo zeigen. Er schaut jetzt immer voller Neugier im die Welt und auf seinen Blick, wenn er all die tollen Tiere im Zoo sieht sind wir ganz gespannt. Deswegen würden wir uns sehr freuen, zwei Eintrittskarten zu gewinnen.

Antworten

Sabrina

11. Dezember 2015 um 14:44

Ein richtig schöner Beitrag mit Herz ♥

Ich würde mich sehr freuen den Zoo zu besuchen da in wenigen Tagen unser Babygirl erwarten würden wir uns freuen zwei von den Eintrittskarten zu gewinnen ?

Um ganz bald den ersten Zoo Besuch als eigene Familie zu unternehmen

Antworten

René

1. Dezember 2015 um 15:13

Tolle Geschichte und cooler Typ. Ihr müsst euch auch auf jeden Fall mal zu einer Nachtführung anmelden, da kann schön sehen wie die Tiere schlafen oder auch nicht schlafen und was die dann so treiben.

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert.

Blogger:
Lisa Hoff

11.11.2015

Kontakt
Haben Sie Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie uns! blog@stw-os.de

Social Media:

Besuchen Sie auch unsere anderen Social Media Profile