23.02.2021

Was passiert mit Bädern, in denen niemand baden darf?

Lesedauer des Artikels: 2.78 Minuten

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Dornröschenschlaf im Lockdown

April 2019 im Osnabrücker Nettebad: An der Sloop-Rutsche bildet sich eine Schlange von aufgeregten Rutsch-Enthusiasten, im Kleinkindbecken wird getobt und gespritzt und nebenan – im Sportbereich – drehen Leistungsschwimmer ihre Runden. Ein Jahr später herrscht hüben wie drüben gähnende Leere: Die Corona-Pandemie sorgt seit ihrem Ausbruch für monatelange Schließungen unserer Freizeit- und Bädereinrichtungen. Doch was passiert eigentlich, wenn Nettebad und Co. über einen langen Zeitraum geschlossen werden müssen?

Zwei Mal, im Frühjahr 2020 und später im Herbst, mussten die Kolleginnen und Kollegen aus dem Bäderbetrieb entscheiden, was im Lockdown mit unseren Bädern geschehen soll. „Das ist eine Abwägungsentscheidung“, sagt Wolfgang Hermle. Denn im Grunde, so der Bäderchef, gebe es nur zwei Möglichkeiten – und beide haben weitreichende Konsequenzen.
 

Leeres Moskaubad
 

Leeres Moskaubad
 

Möglichkeit 1: Wir drücken die Aus-Taste und fahren die Bäder auf Null

Klar, bei Bädern, die keiner benutzen darf, liegt es doch auf der Hand, einfach den Stecker zu ziehen, das Wasser aus den Becken abzulassen und die Lüftung abzustellen. Immerhin lassen sich so die immensen Betriebskosten sparen, die ein Bad laufend verursacht. Doch ganz so einfach, sagt Hermle, ist die Angelegenheit leider nicht.

»Die gesamte Badtechnik ist darauf ausgelegt, dass der Wasserkreislauf unter keinen Umständen ins Stocken gerät.«

Vereinfach gesagt: Wenn die Pumpen kein gechlortes Wasser durch die Leitungen befördern, steigt das Risiko der Verkeimung mit Legionellen oder anderen unerwünschten Badbesuchern. Außerdem drohen Korrosionsschäden in den Leitungen und Beschädigungen in den Becken: Ohne Wasser können die Fugen austrocknen und sich Fliesen ablösen. Nicht zuletzt setzt dem Bauwerk das veränderte Gebäudeklima zu. „Alles in allem würden wir unkalkulierbare Risiken eingehen“, sagt Hermle.
 

Und nicht zuletzt: Bis ein Bad wieder komplett hochgefahren ist, würde es Wochen dauern. Im schlimmsten Falle bliebe es Monate geschlossen.

Möglichkeit 2: Wir drücken die Standby-Taste

Zu Beginn der (bislang) beiden Lockdowns haben sich unsere Bäder-Profis dazu entschieden, die Bäder gewissermaßen in einen Ruhemodus zu fahren. Im Gegensatz zur rigorosen ersten Möglichkeit wurde dabei eher an den kleineren Stellschrauben gedreht:

Die Wassertemperatur ist auf 20 Grad Celsius gesenkt, die Lufttemperatur auf 21 Grad Celsius. Alles das, was ohne großes Risiko heruntergefahren werden kann, ist quasi im Dornröschenschlaf: Die Duschen sind außer Betrieb, werden aber regelmäßig mit heißem Wasser betrieben, um Keimen den Garaus zu machen. In den Rutschen fließt kein Wasser und natürlich sind auch die Saunen abgestellt. Kuriosität am Rande: Die fast schon einmalige Atmosphäre in unserer Tapahtuma-Sauna haben wir für das Weihnachtsinterview mit unseren Vorständen genutzt. Wann gibt es schon einmal die Möglichkeit, bekleidet in einer Großraumsauna zu sitzen?

Spaß beiseite: Natürlich bleiben im Standby-Modus die Betriebskosten bestehen – während an der Kasse kein müder Euro eingenommen wird.

»Immerhin sind wir aber so in der Lage, nach dem Lockdown vergleichsweise schnell wieder an den Start gehen zu können – und ohne Risiko einer Verkeimung oder sonstiger Schäden«, sagt Hermle.
 

Bäder im LockdownUnsere Kolleginnen und Kollegen haben in den vergangenen Wochen und Monaten zahlreiche Revisions- und Reparaturarbeiten vorgenommen und die Bäder instand gehalten. Wenn Nettebad und Co. wieder öffnen dürfen, sind bereits alle turnusmäßig für dieses Jahr geplanten Arbeiten erledigt, sodass keine weitere Schließung nötig wird.

»Wir wünschen uns alle, dass dieser Zustand bald endet und wir alle gemeinsam wieder das machen dürfen, was wir am besten können: nämlich die attraktivsten Freizeitangebote in Osnabrück anbieten«, so der Bäderchef.

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Lisa Hoff

23.02.2021

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