08.12.2017

Anpacken und Einpacken für „Kinderwünsche“

Lesedauer des Artikels: 4.63 Minuten
Bürgerstiftung Osnabrück 2017

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Aktion „Kinderwünsche“ der Bürgerstiftung Osnabrück

Auch dieses Jahr werden von der Aktion „Kinderwünsche“ der Bürgerstiftung Osnabrück wieder über 1.000 Geschenke an Kinder in Heimen und sonstigen Einrichtungen in der Region übergeben. Diese sollen aber auch hübsch verpackt sein. Und da können die Stadtwerke mit ihren Wichteln helfen!

So geht es bestimmt auch bei den Weihnachtsmannwichteln zu: ein Haufen Geschenke in unterschiedlichen Kisten, dazu viel buntes Geschenkpapier und Schleifen und überall wird emsig gearbeitet. So werden heute hier über 600 Geschenke für die Aktion „Kinderwünsche“ der Bürgerstiftung Osnabrück gepackt.

Bürgerstiftung Osnabrück 2017

Wie in der Werkstatt vom Weihnachtsmann

„Hier kommt ein Stapel Gutscheine“,

sagt Nathalie Barkau und legt ihn auf den Tisch in der Mitte der Wohnstube am Westerberg. Ihre vier Mitstreiterinnen der „Vormittagsschicht“ greifen beherzt zu. Um 9 Uhr haben sie begonnen, um 13 Uhr kommt der zweite Trupp zum Schichtwechsel.

 

Eigentlich müssten sie im Büro sitzen – heute packen die Azubi 600 Geschenke

Nathalie und die anderen Wichtel, die hier so eifrig Geschenke einpacken, sind Azubis der Stadtwerke und müssten eigentlich im Büro sitzen oder Busse fahren lernen oder Kabel einsetzen und was es sonst so für Aufgaben im Unternehmen gibt. Heute sind sie von ihrer eigentlichen Arbeit freigestellt, um anzupacken, wo Hilfe für bedürftige Kinder gebraucht wird.

Bürgerstiftung Osnabrück 2017

Azubis der Stadtwerke paken mit an

Und diese hat Stefanie Schindhelm, Projektleiterin der „Kinderwünsche“ dringend nötig. „Wir sind sehr dankbar, dass die Stadtwerke die Azubis freistellen, um die Aktion zu unterstützen. Und es sind immer sympathische und fleißige junge Leute, die anpacken. So funktioniert es wie Brezelbacken“, sagt sie und setzt wieder den Stift an. Sie hat die wichtigste Aufgabe in diesem Raum: den Überblick bewahren und jedem fertig gepackten Geschenk einen Aufkleber mit dem Namen des Kindes zu verpassen.

 

„Nichts ist schlimmer, als das falsche Geschenk beim falschen Kind“

Seit 2010 findet die Aktion „Kinderwünsche“ nun statt und schnell zeigt sich, Schindhelm ist gut organisiert und mit ihrer Aufgabe gewachsen. „Der Name muss fest draufgeklebt werden. Nichts ist schlimmer, als das falsche Geschenk beim falschen Kind.“ Bisher ist immer alles gut gegangen.

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Liebevoll verpackt

Bereits im Oktober werden die Institutionen der Jugendhilfe in Stadt und Landkreis Osnabrück angeschrieben und Wunschzettel verteilt, die die Kinder ausfüllen. Die werden im November wieder eingesammelt und etwa 400 der Wunschzettel werden in Unternehmen der Stadt an Weihnachtsbäume gehangen. Hier kümmern sich die Mitarbeiter um den Einkauf und das Verpacken der einzelnen Geschenke, die dann von den Bürgerstiftung-Mitarbeitern abgeholt und verteilt werden.

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Bei den Stadtwerken verkaufen die Azubis Adventskalender an die Mitarbeiter und spenden das eingenommene Geld an die Aktion „Kinderwünsche“. Dieses Jahr haben die fleißigen Helferlein 2507, 20 Euro eingenommen und nachdem die Summe durch den Stadtwerke-Vorstand aufgerundet wurde, haben sie einen Scheck von 3000 Euro überreichen können.

 

„Das ist doch eigentlich was, das hat man doch normalerweise!“

Und dann geht Frau Schindhelm mit zwei Mitstreiterinnen einkaufen – über 600 Geschenke. Alles, was sich die Kinder gewünscht haben. Kai ist sechs Jahre alt und wünscht sich einen weichen Teddy. Der 4-jährige Lukas wünscht sich einen CD-Player. Ben ist auch vier und hätte lieber ein Buch über Piraten. Kyra ist 9 Jahre alt und wünscht sich einen warmen Pullover. Einen Pullover?

„Manchmal staunt man, was sich die Kinder wünschen“, sagt Sarah Gomez, Auszubildende zur Industriekauffrau bei den Stadtwerken. „Wenn man zum Beispiel eine Jacke verpackt. Da denkt man schon: Mensch, das ist doch eigentlich etwas, das hat man doch normalerweise!“ Und dabei schaut sie kurz vom Geschenkpapier auf und sucht mit den Augen ihre eigene Jacke. Ja, eigentlich sollte jeder bei diesem Wetter eine Jacke haben. Aber genau das ist der Hintergrund der Aktion „Kinderwünsche“.

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Es sind Kinder, die nicht alles haben und sich oft auch nicht das nötigste leisten können. Aus unterschiedlichen Gründen können sie nicht bei ihren Eltern sein und wohnen in Heimen oder werden von der ambulanten Familienpflege betreut. Hier fehlt es auch am kleinsten: Schuhe, Mützen oder eben Jacken.

Bürgerstiftung Osnabrück 2017„Hier ist noch Bettwäsche.“ Jessica Borgmann, Azubi im Veranstaltungsmanagement, greift in eine Kiste, auf der Mehrgenerationenhaus steht, und umwickelt das Paket mit rotem Geschenkpapier. Gerade die Jugendlichen aus dem Betreuten Wohnen wünschen sich oft Sachen, die sie in ihrer Eigenständigkeit unterstützen, wie einen Toaster, Geschirr, ein Waffeleisen oder eben eigene Bettwäsche. „Sie zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen wollen“, sagt Stefanie Schindhelm und die Freude darüber ist der ehemaligen Jugendrichterin anzumerken.

 

„Wer vernünftig ausgebildet ist, hat auch eine Chance im Leben“

Denn am wichtigsten ist ihr eines: die Weihnachtsaktion ist nur ein Teil der Arbeit, die hinter den „Kinderwünschen“ steckt. „Wir versuchen das ganze Jahr über zu helfen, wo Not am Mann ist“, sagt Schindhelm ernst. So werden Therapiestunden und Nachhilfen finanziert, Schulbücher gekauft, der Eintritt ins Schwimmbad übernommen: was von den Sozialarbeitern der Heime und sonstigen Einrichtungen beantragt wird, wird umzusetzen und zu unterstützen versucht. Denn es geht dieser freundlichen Dame mit den lachenden Augen um eins: „Wer vernünftig ausgebildet ist, hat auch eine Chance im Leben“, so Frau Schindhelm.

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Und was ist das schönste von den insgesamt 1027 Geschenken, die in diesem Jahr zu Weihnachten gesponsert werden? „Ein Kind hat sich Karten fürs Theater gewünscht. Das hatten wir bislang noch nicht und ich find das ganz toll!“, sagt sie strahlend.

Und auch unsere Azubis sind nach dem Tag zufrieden mit sich: „Einerseits macht es einen irgendwie traurig, aber andererseits freut man sich auch, dass die Kinder dann endlich das bekommen, was sie sich gewünscht haben. Und die freuen sich bestimmt doll“, sagt die angehende Industriekauffrau Nathalie Barkau etwas erschöpft. Vielleicht ist sie sogar ein bisschen froh darüber, wieder am Schreibtisch der Stadtwerke zu sitzen und erstmal keine Geschenke mehr zu sehen. Zumindest bis Weihnachten nicht.

Ein Kommentar

Dimitri Ehrmanntraut

9. Dezember 2017 um 6:05

Jingle bells, Jingle bells, Jingle bells …

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Melissa-Amélie Gibis-Roth

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