22.04.2016

Transport der Wind-Giganten

Lesedauer des Artikels: 2.4 Minuten

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Eine Montagnacht im April, 24 Uhr auf der A1 Richtung Bramsche/Engter: Was hier unterwegs ist, bekommen Autofahrer nicht alltäglich zu Gesicht. Drei Sonderlastfahrzeuge mit jeweils einer Länge von unglaublichen 67 Metern und zahlreiche Begleitfahrzeuge bahnen sich ihren Weg über die Autobahn. Ihre Ladung: Rotorblätter für eine Windkraftanlage.

Ihr Ziel: Der neu entstehende Windpark in Rieste.

Hermann Brandebusemeyer sitzt angespannt in einem Begleitfahrzeug. Zu Unrecht: Bisher verläuft der Transport der drei Rotorblätter zu ihrem Bestimmungsort reibungslos. Eine Meisterleistung, denn immerhin misst jedes der Blätter 62 Meter und wiegt etwa 12,9 Tonnen. „Auf diesen Moment haben wir uns sehr lange vorbereitet“, erzählt der Stadtwerke-Projektleiter stolz.

»Angesichts der enormen Abmessungen und des großen Gewichts kann es zu zahlreichen logistischen Problemen kommen. Jede Kurve, Ampel oder Brücke kann da zu einer unüberwindbaren Herausforderung werden«, erklärt der Stadtwerke-Projektleiter.

 

Flügeltransport

 

Jeder Millimeter entscheidet

Flügeltransport zum Windpark RiesteErste Streckenstudien wurden deshalb bereits im Oktober 2014 in Zusammenarbeit mit weiteren Experten durchgeführt. Hinter dem abstrakten Begriff verstecken sich zahlreiche Faktoren, die bei der Planung berücksichtigt und analysiert werden müssen: Welche Transportmittel sind geeignet? Was ist die optimale Transportroute? In welchem Zustand befindet sie sich und wie sind die Kurven beschaffen? „Die Rotorblätter stammen aus Italien, deshalb wurden sie zunächst mit dem Schiff nach Bremerhaven transportiert und dort auf die drei Sonderlastfahrzeuge befördert. Von hier aus ging es dann auf der Autobahn weiter,“ so Brandebusemeyer.

Wie geplant erreicht der Sondertransport in dieser Nacht gegen 23:30 Uhr die Anschlussstelle Bramsche/Engter. Ab hier beginnt für Brandebusemeyer der besonders spannende Teil: Im Vorfeld mussten Kurven mithilfe von Schotter oder Aluminiumplatten auf einen bestimmten Radius vergrößert, Wege ausgebaut oder verbreitert und mobile Straßen errichtet werden. Jetzt zeigt sich, ob die Berechnungen  stimmen. Und die Arbeit der letzten Monate zahlt sich aus: Die Kolonne meistert die gesamte Strecke ohne Komplikationen. Sogar das Wetter spielt in dieser Nacht mit.

 

Beim Transport ist Teamwork gefragt

SonderlastfahrzeugTrotz der genauen Planung kommt es immer wieder auf die Arbeit der Mitarbeiter vor Ort an: Alleine können die rund 67 Meter langen LKWs die Kurven nicht nehmen. Mithilfe einer Funkfernsteuerung kontrollieren die Mitarbeiter in den Begleitfahrzeugen die hinteren Achsen der LKWs und lotsen sie so millimetergenau die Strecke entlang. Die Absicherung der Strecke wird von den Mitarbeitern des SLT Schwerlasttransportservice Pusch gewährleistet. Immer wieder müssen während der Fahrt insgesamt 19 mobile Ampelanlagen bedient sowie 121 Verkehrszeichen und 69 Absperrungen montiert oder demontiert werden. Das dauert. Etwa eineinhalb Stunden braucht die Kolonne für die rund 12,5 Kilometer. „Die normalen Wege sind für solche Sondertransporte einfach nicht ausgelegt,“ so der Experte.

 

Geglückte Premiere

Hermann Brandebusemeyer ist stolz auf seine Arbeit und die seiner Kollegen. Die Mühen der vergangenen Monate haben sich gelohnt und das Etappenziel für den Tag ist erreicht.

»Besser hätte die Premiere gar nicht laufen können« erklärt Brandebusemeyer. "Immerhin müssen wir für die insgesamt vier Anlagen bis Anfang Mai noch weitere Sondertransporte durchführen. Bis dahin bleiben die Ausbaumaßnahmen für den Transport erhalten und werden dann – soweit es sinnvoll und notwendig ist – zurückgebaut.«

 

Hier gibt es weitere Bilder zum Bau des Windparks Rieste:

Bau Windpark Rieste

 

Bau Windpark Rieste

 

Bau Windpark Rieste

 

Bau Windpark Rieste

 

Bau Windpark Rieste

 

Bau Windpark Rieste

 

7 Kommentare

Helga

12. Oktober 2018 um 9:35

Danke für diesen Erfahrungsaustausch. Nicht selten gibt es Sondertranspot. Die Wiegung von Schwertransporten sowie auch das Transportieren von Sonder-Giganten sind echt eine Herausforderung. Gott sei dank, die Technik entwickelt sich weiter.

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Mia

13. September 2018 um 7:38

Im Urlaub, sehen wir öfters mal eine Sondertransportbegleitung. Durch den immer noch steigenden Ausbau der Windenergie, wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben. Gut das diese Transporte in der Nacht durchgeführt werden.

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Mia

10. September 2018 um 8:27

Danke für die guten Informationen zu Schwertransporten für die Windkraft. Wenn wir im Urlaub Nachts auf der Autobahn waren, haben wir solche Transporte recht oft gesehen. Tagsüber standen die langen Anhänger dann oft an Autobahnraststätten und warteten auf die Weiterfahrt.

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Martin

2. November 2017 um 15:03

Die Leistung die ein solcher Transport abverlangt ist manchmal gut für das Guinness Buch der Rekorde. Es ist für Außenstehende faszinierend, wie ein solches Ungetüm millimetergenau gelenkt wird.
In Deutschland gibt es rund 300 Unternehmen, die Schwerlasttransporte durchführen. Etwa 50 bis 60 davon bieten Kapazitäten für Transporte über 100 Tonnen Gesamtgewicht an.2Dieses Marktsegment ist im Verhältnis zur gesamten Transportbranche sehr klein.
Die Transporteinheiten, mit denen Schwertransporte auf der Straße durchgeführt werden, setzen sich in der Regel aus Zugmaschinen mit Aufliegern bzw. Anhängern zusammen. Um einen Überblick über verschiedene mögliche Fahrzeugkombinationen zu erhalten, wurde nach der Anzahl der betriebenen Zugmaschinen, der Anzahl der genutzten Auflieger sowie nach den Aufliegerarten Mehrfachantworten waren zugelassen. Eine Unterscheidung zwischen Auflieger und Anhänger ist nicht eindeutig zu treffen, denn durch Umbauten sind viele Auflieger als Anhänger verwendbar und umgekehrt. Während bei Bau- und Produktionsmaschinen die Verteilung gleichmäßig ist, sind es vor allem die Schwerlastspeditionen, die aufgrund ihrer Spezialausrüstungen Transformatoren, Baumaterial und Fertigbauteile transportieren. .

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Lisa Hoff

11. Dezember 2017 um 11:31

Hallo Martin, danke für deine Ergänzungen und dein Fachwissen. Da scheinen wir ja einen Experten für das Thema gefunden zu haben?! 🙂

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Irma

19. Mai 2016 um 10:48

Der Bericht liest sich erstaunlcih aufregend, dafür dass es „nur“ um den Transport von „langen dünnen Säulen“ und Rotorblättern geht. Aber natürlich sind die Stangen EXTREM lang und die Rotorblätter haben eine Größe, deren Ausmaß man sich selten vergegenwärtigt, weil man die Windkraftanlagen meistens nur von weitem betrachtet.

Besonders das Foto von dem LKW, das Ihrem Blogbeitrag vorangestellt ist, ist bemerkenswert: Auf den ersten Blick denkt man, man hätte einfach nur das Bild eines normalen LKW genommen und dann unnatürlich in die Breite verzerrt. Das lässt erahnen, welch ein gewaltiger planungstechnischer Aufwand es sein muss, einen Konvoi solcher LKWs entlang der Strassen zu manövrieren.

Mein Interesse an dem Thema ist übrigens beruflicher Natur. Im Rahmen meiner Arbeit für den Berliner Containerdienst CDZ beschäftige ich mich andauernd mit Transport von Schüttgütern und sperriger Gegenstände, auch verantworten wir einen größeren Fuhrpark an Selbstladern inklusive unterschiedlichen Containern mit Fassungsvermögen zwischen 3 und 50 Kubikmeter. Zum Teil also durchaus respekteinflößende Fahrzeuge. Aber im Vergleich zu den hier gezeigten Transportleistungen… wow

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Lisa Hoff

19. Mai 2016 um 12:42

Hallo Irma, vielen Dank für deinen Kommentar. Auch wir finden, dass die Arbeit von den Kollegen und allen anderen, die in diesem Bereich arbeiten, spannend und auf jeden Fall einen Blog-Artikel wert ist 🙂

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