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Mit dem Nightliner in London

Sebastian Himstedt (Text) und Benjamin Beutler (Foto) waren mit dem Nightliner der Stadtwerke in London - und haben eine Menge erlebt. Anbei ihr Erfahrungsbericht: Billigfliegern und Wirtschaftskrise zum Trotz: Als wir an einem Freitagabend gegen 22 Uhr den Bus bestiegen, war er bis auf den letzten Platz besetzt. Ähnlich überraschend war auch, dass die Mitfahrer sehr gemischt waren. Gruppen von Jugendlichen mischten sich unter junge Paare und Familien mit Kindern. Die 66 Euro für die Fahrt waren scheinbar erschwinglich, schreckte aber doch die üblichen Kegelvereine ab. Und wir waren beruhigt: Gott sei Dank, keine Sauffahrt mit wildem Gegröle und am Boden liegenden Schnapsleichen. Es herrschte strenges Alkohol- und Rauchverbot an Bord.

Fähre ab Calais
Und so ging es dann los auf die ungefähr elfstündige Fahrt, über Holland und Belgien zur Fähre nach Calais in Frankreich, vor der wir unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden.  Britischer Eigenart sei Dank, durfte man hier am Zoll noch seinen Ausweis zeigen. Dann auf die Fähre, einen geeigneten Schlafplatz finden, kurz schlafen, dann wieder runter von der Fähre und als wir das nächste Mal wach wurden, zeigten sich schon die Vororte von London, in denen so manch bekannter Star geboren ist. Wir suchten nach Lily Allen oder Kate Nash, aber wenn die sich schon zufällig irgendwo rumtreiben wollten, dann sicherlich nicht um acht Uhr morgens vor unserem Bus. Und schon gar nicht bei diesem grauem Regenwetter: London zeigte sich, wie man es kennt und wie man es auch gesehen haben muss, wenn man zum ersten Mal da ist.

Nichts für Prinzessinen
Was gar nicht so schlecht ist: Wenn man unbekannt ist, kann man gern auch mal ungewaschen und ungeduscht durch die Stadt laufen, bei McDonalds die Zähne putzen und drei Tage die Unterwäsche nicht wechseln... Damit muss man bei so einem Bustrip leben. Für kleine Prinzessinnen ist so eine Fahrt nichts. (Für harte Zwei-Meter-Riesen mit langen Beinen aber auch nichts. So bequem der Bus auch war, er blieb ein Bus...).

London entdeckt
Dann war es um neun Uhr, wir hatten unser Ziel erreicht und die sehr sicher fahrende Busfahrerin war froh, uns am Londoner Hyde Park absetzen zu können. Wir brauchten erstmal einen Kaffee, ein Frühstück und einen Plan. Was macht man, wenn man exakt 15 Stunden für London hat? Fussball gucken, Shoppen, die Queen besuchen, englisches Bier trinken? Wir versuchten fast alles und waren sehr angetan davon, wie viel davon man doch schafft, wenn man einen guten Stadtplan, robuste Füße und dann gegen Mittag einsetzendes Traumwetter hat. So liefen wir los: Zum Buckingham Palace, zum Piccadilly Circus, zum Shoppen zu Lillywhites (dem geilsten Sportklamottenladen der Welt!), zum Sonnen vor dem Tate Modern Museum an der Themse, um Leute fragen zu wollen, warum sie so nett sind, aber sich dann doch nicht trauen.

Viel erlebt
Und irgendwann qualmten dann die Socken, war der Magen leer und wurde der Sitz im Bus fast schon wieder herbeigesehnt. Aber vor der Heimfahrt ab Mitternacht ging es noch in einen Pub, zu traditionellem Pie und englischem Ale und der Hoffnung, dass wir irgendwann so viel Geld verdienen würden, um uns die horrenden Mieten in dieser tollen Stadt leisten zu können.

Positives Fazit
Wer nicht gleich nach London ziehen will, dem seien die Fahrten mit dem Nightliner ans Herz gelegt: Es dauert zwar länger als mit dem Flugzeug, dafür muss man auch nicht vom Flughafen in die Stadt, was gerade bei London recht lange dauert und ziemlich teuer ist. Wenn die Fähre nicht wäre, könnte man eigentlich ganz gut im Bus schlafen und dank der Telefonnummer der Busfahrerin und dem umfangreichen Info- Material, findet man sich gut zurecht. Wer es schicker mag, wer sich gern jeden Tag wäscht und wer in London eine dicke Party machen will, sollte wohl lieber fliegen – oder länger bleiben. Aber das sollte sowieso jeder, der es sich leisten kann.