Direkt zum Seiteninhalt springen
Damit Sie unsere Webseite optimal nutzen können, verwenden wir Cookies.
Mit dem Besuch unserer Seite geben Sie uns Ihr Einverständnis, Cookies auf Ihrem Computer zu speichern. MEHR ERFAHREN

Auf Tauchgang im Faulturm

Stadtwerke-Maßnahme sichert reibungslose Abwasserreinigung

Mit einer nicht alltäglichen Maßnahme sichern die Stadtwerke Osnabrück die reibungslose Abwasserreinigung. Industrietaucher haben am Wochenende die beiden Faultürme im Klärwerk Eversburg inspiziert. Hintergrund der Kontrollinspektion waren Sandablagerungen und sogenannte Verzopfungen in den beiden für die Stadtentwässerung wichtigen Großbehältern.

„Die Faultürme nehmen eine zentrale Funktion im Abwasserreinigungsprozess ein“, erläuterte Ingo Hannemann, Technischer Leiter der Stadtwerke. In den beiden gut 30 Meter hohen Behältern mit einem Gesamtfassungsvermögen von 10.000 m3 werden die verschiedenen im Reinigungsprozess anfallenden Schlämme „ausgefault“. Der hier entstehende Faulschlamm wird im späteren Prozessverlauf getrocknet und als Düngemittel für die Landwirtschaft aufbereitet. Das ebenfalls entstehende Faulgas wird wiederum für eine umweltschonende Strom- und Wärmegewinnung durch Blockheizkraftwerke genutzt. „Die Faultürme müssen somit ohne Einschränkungen funktionieren“, betonte Hannemann weiter.

Erste Inspektion vor einem Jahr
Der größere Faulturm wurde 1963 errichtet und im Jahr 2000 generalüberholt, der kleinere Faulturm wurde 1999 in Betrieb genommen. In beiden Behältern hatte es in der Vergangenheit zunehmend Störungen im Betriebsablauf gegeben. Die Stadtwerke hatten daraufhin vor gut einem Jahr erstmals Industrietaucher für eine Innen-Inspektion eingesetzt. „Die Spezialisten haben uns ein ziemlich genaues Bild über die Situation geben können, woraus wir wiederum sinnvolle Maßnahmen ableiten konnten“, sagte Klärwerksleiter Peter Sikora. So hatten die Profitaucher meterlange, aus Faserresten, Haaren und anderen Stoffen bestehende „Verzopfungen“ vorgefunden und größtenteils entfernt. Anschließend konnten die Stadtwerke die Wirkung der seit 2008 eingesetzten Rechen mit nur 2 Millimetern Spaltweite überprüfen und veränderten zudem die Betriebsweise des sogenannten Bodenabzugs. „Der Sand kann dadurch besser abgeleitet werden, die Gefahr von Verstopfungen wurde reduziert“, erläuterte Sikora weiter. Mit der zweiten Inspektion an diesem Wochenende haben die Spezialtaucher den Erfolg der Maßnahmen überprüft.

Fünf Profis wechselweise im Einsatz
„Wir können jetzt schon sagen, dass die Versandung abgenommen hat. Insbesondere der größere Faulturm scheint sauber zu sein – wir haben keine ‚Zöpfe’ mehr vorgefunden, werden die Messergebnisse aber noch genau auswerten“, sagte Gregor Ulrich, Geschäftsführer der Spezialfirma Umwelt-Tauchservice. Dabei ist der Job, den Ulrich und sein fünf Mann starkes Taucherteam erledigen, schon was Besonderes. Die Profis waren in völliger Dunkelheit komplett „blind“ unterwegs und arbeiten tastend. Ein Tauchgang in den dafür auf eine Temperatur von 37 Grad abgesenkten Faultürmen dauerte maximal 30 Minuten. „Die Länge ist immer abhängig von der Temperatur im Faulturm und der jeweiligen Turmhöhe“, erläuterte Ulrich. Ziel sei es, die Dekomprimierungszeit so minimal wie möglich zu halten. „So sind wir sehr produktiv, die Kollegen steigen dann wechselweise hinab.“ Bis zu 75 Kilogramm schwer ist die komplette Ausrüstung eines Tauchers, der über spezielle Gurtsysteme sowie Hydraulik- und Handwinden gleich mehrfach gesichert ist. „Wir haben auch über eine Art Gegensprechanlage ständigen Kontakt zum Taucher“, so Ulrich. „Die Sicherheit ist natürlich das A und O.“

Tauchinspektion spart Zeit und Kosten
Die nicht alltägliche Taucherinspektion hat auch wirtschaftliche Vorteile für die Stadtwerke. „Die Alternative zu den betrieblichen Änderungen wäre gewesen, die Faultürme komplett zu entleeren und dann die Ablagerungen und Zöpfe zu entfernen“, so Stadtwerke-Technikchef Ingo Hannemann. Diese Maßnahme hätte aber stark in den Reinigungs- und Schlammentsorgungsbetrieb eingegriffen und wäre um ein Mehrfaches kostenintensiver gewesen. „Beide Tauchereinsätze konnten im laufenden Prozess durchgeführt werden. Und die Kontrollinspektion hat gezeigt, dass unsere betrieblichen Maßnahmen erste Wirkung zeigen“, so Hannemann abschließend.

Gruppenbild mit Taucher auf dem Faulturm: (V.l.) Peter Sikora (Klärwerksleiter), Gregor Ulrich (Geschäftsführer Umwelt-Tauchservice) und (rechts) Ingo Hannemann (Technischer Leiter Stadtwerke)