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Arbeitskreis diskutiert in seiner letzten Sitzung über den Busverkehr am Neumarkt

Abschlussbericht geht an die Politik

Nach der dritten und letzten Sitzung des Arbeitskreises zur Neuorganisation des ÖPNV am Neumarkt ist das Ergebnis eindeutig: „Es gibt keine Lösung, die die Zielsetzungen, die der Rat vorgegeben hat, erfüllen würde“, fasste Jens Stachowitz zusammen. Der Moderator hat den Arbeitskreis „Neuorganisation des ÖPNV in der Osnabrücker Innenstadt“ begleitet.

Seit April hat der Arbeitskreis verschiedene Modelle zur Umstrukturierung des Busverkehrs diskutiert, um den Neumarkt zu entlasten oder den Busverkehr ganz von dort zu entfernen. Entsprechende Varianten hatte Mathias Schmechtig erarbeitet und zur Diskussion gestellt. Der Inhaber von NahverkehrsConsult aus Kassel war von der Verwaltung mit dieser Aufgabe betraut worden.

Der Arbeitskreis war nach einem Beschluss des Rates der Stadt Osnabrück gegründet worden. Der Rat hatte im September 2017 die Verwaltung damit beauftragt, untersuchen zu lassen, wie sich der Busverkehr am Neumarkt reduzieren oder vermeiden lässt. Er hat eine Machbarkeitsstudie mit dem Ziel in Auftrag gegeben, „die Erreichbarkeit der Innenstadt mindestens auf dem heutigen Niveau zu erhalten sowie die Verbindung zwischen den Stadtteilen zu optimieren, um so den ÖPNV insgesamt zu stärken und die Nutzerzahlen zu erhöhen“, heißt es in dem Beschluss.

Dem Arbeitskreis gehörten rund 20 Vertreterinnen und Vertreter der Ratsfraktionen, der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (PlaNOS), der Umwelt- und Verkehrsverbände, der Wirtschaft, des Fahrgastbeirats, der Verwaltung und weiterer Verbände an. Bereits in der zweiten Sitzung hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei verschiedene Varianten für die Zukunft des ÖPNV am Neumarkt erarbeitet. Schmechtig hat die drei Varianten mit dem Ist-Zustand verglichen. Dazu hat er die Frequenz des Busverkehrs am Neumarkt, die Auswirkungen auf das ÖPNV-System in der gesamten Stadt und auf die Verkehrsinfrastruktur sowie die ökonomischen Auswirkungen berechnet. Dabei zeigte sich, dass alle drei neuen Varianten dazu führen würden, dass die zentrale Innenstadt schlechter erreichbar wäre.

Insbesondere für ältere Busnutzer und Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, würde die Erreichbarkeit aufwändiger und beschwerlicher. Zudem würden sich die Reisezeiten in Ost-West-Richtung und umgekehrt deutlich verlängern. Schmechtig legte auch dar, dass an anderen Stellen neue Haltestellen und Fahrwege geschaffen werden müssten, wenn der Busverkehr vom Neumarkt wegverlagert würde. Dies sei nicht konfliktfrei umsetzbar und erfordere vielfältige Kompromisse in der Planung.

Zudem führten die neuen Fahrstrecken der Busse für andere Verkehrsteilnehmer zu Störungen und Konflikten. Als Beispiel zog Schmechtig Ersatzhaltestellen an der Lyrastraße heran, die in der Nähe des Neumarkts errichtet werden müssten – was für Fahrrad- und Autofahrer, letztlich für alle Verkehrsteilnehmer, Einbußen an Platz und Sicherheit bedeuten würde. Durch die Veränderungen käme es zu einem Verlust von Fahrgästen im ÖPNV, im schlechtesten Fall bis zu sieben Prozent. Im Ergebnis erfülle „keine der drei untersuchten Planungsvarianten die Zielsetzungen des gefassten Ratsbeschlusses“ fasste Schmechtig zusammen.

Für die Einführung der neuen Busführung über den Neumarkt wären – je nach Variante – zwischen 1,3 Millionen und 2,4 Millionen Euro für die erforderliche Infrastruktur notwendig, erläuterte Schmechtig. Hinzu kämen zwischen knapp einer und zwei Millionen Euro Betriebskosten jährlich für zusätzliche Fahrzeuge, Fahrleistung und Fahrer sowie ein Einnahmeverlust zwischen 700.000 und 1,1 Millionen Euro. Diese zusätzliche Finanzierung müsste über den Querverbund der Stadtwerke oder direkt über den städtischen Haushalt finanziert werden, rechnete Schmechtig vor und fügte hinzu: „Die Stadt Osnabrück müsste in der Konsequenz mehr Geld für einen schlechteren ÖPNV aufbringen.“ Auf Nachfrage bestätigte Schmechtig, dass mögliche Zusatzkosten für den Regionalverkehr für dieses Gutachten nicht ermittelt wurden.

Auch in der letzten Sitzung hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wertvolle Anmerkungen zu den von Schmechtig vorgestellten Varianten, die in das Gutachten einfließen werden. Die produktive Zusammenarbeit hoben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Abschlussrunde des Tages hervor. Es sei wichtig, nicht als „Sieger“ und „Besiegte“ zu denken, sondern zu schauen, wie die Ergebnisse des Arbeitskreises und des Gutachtens für alle Nutzerinnen und Nutzer mit einem möglichst attraktiven Neumarkt umgesetzt werden können.

Wie geht es nun weiter? Nach dieser letzten Arbeitskreissitzung wird Mathias Schmechtig einen Abschlussbericht verfassen und die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie am Donnerstag, 18. Oktober, im Stadtentwicklungsausschuss präsentieren.

„Auf Grundlage der vorliegenden Machbarkeitsstudie kann nun eine Entscheidung getroffen werden, wie es mit dem Busverkehr am Neumarkt weitergeht“, sagt Stadtbaurat Frank Otte abschließend.

Letztlich müsse die Politik entscheiden, wie die Untersuchungsergebnisse in die weiteren Planungen zum Neumarkt eingebunden werden sollen und ob der Neumarkt so ausgebaut wird, wie es derzeit geplant ist.

Wie kann die künftige Buslinienführung in der Innenstadt aussehen? Bei seiner 2. Sitzung hat der Arbeitskreis zur ÖPNV-Neuorganisation am Neumarkt vier verschiedene Linienführungen diskutiert.