Berechnungen

Der Energiemarkt

Warum sind Strom und Gas im Moment so teuer?

Wir lesen es momentan täglich in der Zeitung und sehen es im Fernsehen: Benzinpreise steigen, Erdgas wird teurer, Strom auch. Der Energiemarkt steht Kopf, Ende ungewiss. Das macht Ihnen als Verbraucher:innen und uns als Ihr Energieversorger Sorgen. Für diese Lage gibt es mehrere Gründe, die eng miteinander in Zusammenhang stehen und für eine ziemlich komplexe Gesamtsituation sorgen. 


Grund 1: Niedrige Speicherstände = hohe Preise am Gasmarkt 

Der Gasmarkt ist eher physisch orientiert, da Gas in Europa auch gespeichert wird. Sind die Gasspeicher in Deutschland und Europa gut gefüllt, ist auch der Gaspreis niedrig. Hier liegt eine sehr entspannte Zeit mit warmen Sommern und moderaten Wintern hinter uns. Und auch die geringe Nachfrage durch Unternehmen nach Gas während der Lockdowns sorgte für niedrige Preise. Dies hielt an bis Herbst 2020. Doch dann kam die Wende: Das Preisniveau lag zwar noch relativ niedrig, aber höher als prognostiziert. Als Reaktion verkauften Besitzer von Speicheranteilen ihr Gas, das sie zu sehr günstigen Preisen gekauft hatten, gewinnbringend weiter. So “schaukelte” sich der Preis langsam aber sicher hoch. Als Folge wurde noch bis in den April 2021 hinein “ausgespeichert”: und dass obwohl eine Entnahme normalerweise nur in den kalten Monaten erfolgt und die wärmeren Frühlingsmonate zum Füllen der Speicher genutzt werden. Dazu kam der eher durchwachsene Sommer 2021. Entsprechend sind die Gasspeicher in Deutschland und in vielen anderen Ländern Europas zurzeit längst nicht so gefüllt, wie sie sein sollten. Die hohe Nachfrage, um dieses Defizit auszugleichen, führt ebenfalls zu steigenden Preisen am Gasmarkt.


Grund 2: Niedrige Stromgewinnung aus Erneuerbaren Energien

2021 war im Hinblick auf die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien ein eher schlechtes Jahr. Solar- und Windenergieanlagen speisten im ersten Halbjahr 2021 nur rund 87 Terawattstunden in das öffentliche Netz ein, im selben Zeitraum des Vorjahres waren es noch 102,9 Terawattstunden. Insbesondere die für Deutschland so wichtige Windkraft verzeichnete witterungsbedingt einen Rückgang um rund 20 Prozent.










Grund 3: Die “Corona”-Blase

Die Corona-Pandemie sorgt natürlich ebenfalls für starke Unsicherheit an den Märkten: Die Impfkampagne und die niedrigen Zahlen im Sommer haben für eine schnelle Erholung der Wirtschaft und damit eine steigende Nachfrage nach Strom und Gas gesorgt. Trotzdem sind die Prognosen weiterhin unsicher: Wie entwickelt sich die 5. Welle mit Omikron? Drohen doch wieder neue Corona-Schutzmaßnahmen mit Schließungen von Schulen, Geschäften und Unternehmen? All diese Fragen lassen den Markt nicht zur Ruhe kommen.




Grund 4: Politisches Kräftemessen

Auch politische Akteure haben starken Einfluss, besonders auf die Gaspreisentwicklung: So sorgt momentan die Angst vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine als wichtiges “Transitland” für Gas für Unsicherheiten am Markt. Auch die Diskussionen rund um die Gaspipeline Nordstream 2 führt zu Preisschwankungen.




Grund 5: Nationale CO2-Abgabe und europäischer Emissionshandel 

Außerdem haben sowohl der europäische Emissionshandel als auch die Erhöhung der nationalen CO2-Abgabe Einfluss auf den Strom- und Gaspreis. Der europäische Emissionshandel soll etwa dafür sorgen, dass die Nutzung von Kohle zur Stromerzeugung immer teurer wird. Wird es deshalb unrentabel, ein Kohlekraftwerk zu betreiben, werden Gaskraftwerke stärker eingesetzt, um Strom zu erzeugen - denn Gas hat eine bessere CO2-Bilanz als Kohle. Die steigende Nachfrage schlägt sich dann auch auf den Preis nieder.

Die Folgen für Sie als Verbraucher:innen und uns als Energieversorger

Schon einige “Energie-Discounter” konnten den Lieferverpflichtungen gegenüber ihren Kund:innen wegen der hohen Einkaufspreise nicht mehr nachkommen und haben Insolvenz angemeldet. Diese finanzielle Schieflage entstand durch das riskante Geschäftsmodell der Anbieter: Sie lockten zunächst viele Kund:innen mit sehr geringen Preisen. Um den Kauf der benötigten Energie kümmerten sie sich erst, wenn diese bereits bei Ihnen abgeschlossen hatten. Als Stadtwerk machen wir es anders herum: Wir kaufen zuerst die Energie so günstig wie möglich ein. Danach kalkulieren wir unsere Tarife und bieten sie zu einem Preis an, mit dem wir unsere vorherigen Ausgaben decken können. So können wir eine sichere Energieversorgung garantieren.

Wir beliefern die ehemaligen Kund:innen der insolventen Energieversorger als Grund- und Ersatzversorger in Osnabrück und Lotte nun mit Strom bzw. Gas. Doch da dieser Kundenzuwachs für uns nicht planbar war, müssen wir die zusätzliche Energie am Großhandelsmarkt einkaufen. Dieser ist aufgrund der o.g. Gründe völlig überhitzt und somit die Preise extrem hoch. Auch die Kalkulation von Strom- und Erdgastarifen mit langer Preisgarantie für diese neuen Kund:innen ist kaum möglich, da Prognosen, wie sich die Preise in den nächsten Monaten entwickeln, höchst unsicher sind. Deswegen bieten wir diese sogenannten Laufzeittarife zum jetzigen Zeitpunkt für Neukund:innen nicht an. Denn: für uns hat es oberste Priorität, unsere Bestandskund:innen in Osnabrück und der Region sicher und verlässlich mit Energie zu versorgen. Sie können sich sicher sein: Wir halten unsere Vertrags-Versprechen ein!

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