Gasflamme

Infos zum Erdgasmarkt

Aktuelle Gaspreis-Entwicklung

Warum verändert sich der Preis für Erdgas in Deutschland? 

Der Gaspreis hat in den letzten Monaten eine extreme Reise hinter sich – und die ging, bis auf einige sehr kurze Perioden, immer nur in eine Richtung: nach oben. Doch wie ist das möglich, obwohl Corona unsere Wirtschaft und damit auch indirekt die Nachfrage nach Erdgas stark gedrosselt hat? Um das zu verstehen, muss man sich die Entwicklung der letzten drei Jahre anschauen:

Niedrige Speicherstände = hohe Preise

Grundsätzlich gilt: Das Gasmarkt ist eher physisch orientiert. Sind die Gasspeicher in Deutschland und Europa gut gefüllt und kann somit ein eher kalter Winter versorgungstechnisch abgefedert werden, ist auch der Gaspreis niedrig, denn die Versorgungslage ist gut. Die Speicher werden in den Sommermonaten, wenn die Nachfrage aufgrund des Wetters gering ist, gefüllt (bis ca. Ende September). Danach beginnt die Phase der Entnahme über den Winter.

Dieser war 2018 verhältnismäßig und unerwartet kalt. Damals wurden die Speicher fast komplett geleert. Dies hatte eine starke Unsicherheit am Markt zur Folge, weil man die Versorgungssicherheit nur knapp gewährleisten konnte. In der Folge wurden die Speicher aus Vorsicht fast zu 100 Prozent wieder gefüllt. Was folgte, war eine lange “entspannte” Zeit mit niedrigen Preisen: der Sommer 2019 war sehr warm, sodass man mit gut gefüllten Speichern in die Wintersaison starten konnte. Anfang 2020 traf uns dann Corona: Unternehmen nahmen aufgrund des Lockdowns weniger Gas ab. Auch der folgenden Sommer war gut, sodass wenig Erdgas zum Heizen benötigt wurde. Das Gaspreisniveau bewegte sich also bis Herbst 2020 auf niedrigem Niveau.

Doch dann kam zum zweiten Lockdown im November die Wende: Das Preisniveau lag zwar noch relativ niedrig aber höher als prognostiziert. Als Reaktion verkauften Besitzer von Speicheranteilen, ihr Gas, das sie in den vergangenen Monaten zu sehr günstigen Preisen gekauft hatten, nun gewinnbringend weiter. So “schaukelte” sich der Preis langsam aber sicher hoch. Als Folge wurde noch bis in den April 2021 hinein “ausgespeichert”: und das obwohl eine Entnahme normalerweise nur in den kalten Monaten erfolgt und die wärmeren Frühlingsmonate zum Füllen der Speicher genutzt werden. Dazu kam nun der eher durchwachsende Sommer 2021. Entsprechend sind die Gasspeicher in Deutschland und in vielen anderen Ländern Euorpas zur Zeit noch längst nicht so gut gefüllt, wie sie es um diese Jahreszeit sein sollten. Die hohe Nachfrage, um dieses Defizit auszugleichen, führt ebenfalls zu steigenden Preisen am Gasmarkt. 

Die “Corona”-Blase

Die Corona-Pandemie sorgt natürlich ebenfalls für starke Unsicherheit an den Märkten: Die Aussicht auf eine erfolgreiche Impfkampagne hat für viel Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft gesorgt. Auch das Versprechen, dass es für Geimpfte keinen Lockdown mehr geben wird, sorgt für eine steigende Nachfrage. Trotzdem sind die Prognosen mehr als unsicher: Wie entwickelt sich die 4. Welle? Wie geht die Politik mit den stark steigenden Inzidenzen um? Drohen doch wieder neue Corona-Schutzmaßnahmen mit Schließungen von Schulen, Geschäften und Unternehmen? All diese Fragen lassen den Markt nicht zur Ruhe kommen.

Politisches Kräftemessen

Auch politische Akteure haben immer wieder starken Einfluss auf die Gaspreisentwicklung: So sorgen positive wie negative Nachrichten rund um die sich im Bau befindende Gas-Pipeline Nordstream 2 für starke Schwankungen. Unterstützt die EU weiterhin den Bau? Wie reagiert die USA? Wann rechnet Russland mit den ersten Lieferungen? Und auch der langjährige Konflikt zwischen der Ukraine und Russland führt immer wieder pünktlich zum Beginn der Heizperiode zu Unsicherheiten: Wie viel Geld verlangt die Ukraine für die Durchleitung russischen Gases durch Pipelines auf ihrem Gebiet? Ist Russland bereit, diese Preise zu zahlen oder drosselt es die Lieferung? All diese offenen Fragen sorgen für Unsicherheiten auf dem Markt.

Nationale CO2-Abgabe und europäischer Emissionshandel 

Außerdem können sowohl der europäische Emissionshandel als auch die nationale CO2-Abgabe Einfluss auf die Nachfrage nach Gas und damit dessen Preis haben. Der europäische Emissionshandel soll etwa dafür sorgen, dass die Nutzung von Kohle zur Stromerzeugung immer teurer wird. Wird es deshalb unrentabel, ein Kohlekraftwerk zu betreiben, werden Gaskraftwerke stärker eingesetzt, um Strom zu erzeugen - denn Gas hat eine bessere CO2-Bilanz als Kohle. Die steigende Nachfrage schlägt sich dann auch auf den Preis nieder.  

Hintergründe

Was steckt alles in Ihrem Erdgaspreis?

Gaspreis-Zusammensetzung
Siegel Herausragender Regionalversorger Siegel Kompetenz Umwelt und Klima Siegel Familienfreundlicher Arbeitgeber Siegel Schlichtungsstelle Niedersachsen und Bremen