23.01.2019

Wasserstoff statt Akku? Ein exklusiver Auto-Test

Lesedauer des Artikels: 4.42 Minuten
Selbsttest Wasserstoffauto

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Letzte Woche wurde berichtet: „Nur ein Auto in der Region tankt Wasserstoff“ – hier und jetzt kann ich es ja sagen: Das war dann wohl ich. Aber warum ein Wasserstoff-Auto? Das mag sich jetzt der ein oder andere fragen. Sind nicht E-Fahrzeuge mit Akku die Zukunft? Das mag sein, aber wir – sprich ich als Geschäftsführer der OPG und auch die Stadtwerke – halten unsere Augen und Ohren in alle Richtungen offen, wenn es um das Thema alternative Antriebstechnologien geht. Deshalb habe ich den Selbsttest gewagt und für ein paar Wochen ein Wasserstoff-Auto getestet: Wie nachhaltig und alltagstauglich ist die Technologie? Ein Selbstversuch.  

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon vor meinem exklusiven Auto-Test. Denn gerade mal 220 Wasserstoffautos sind laut aktueller Berichterstattung in Deutschland unterwegs, weltweit 6.500. Das ist aber wirklich wenig, stelle ich nach meiner Recherche etwas ernüchtert fest. Gefühlt müssten es viel mehr sein. Ich habe in den letzten Monaten viel über Elektromobilität diskutiert. Schließlich bauen wir bei der OPG aktuell 21 Ladesäulen in die Parkhäuser. Und fast jeder, mit dem ich diskutiert habe, hat Wasserstoff als eine sehr wichtige Alternative zum Benzinmotor erklärt. Im Alltag scheint davon noch nicht viel angekommen zu sein. Woran liegt das? An zu wenig angebotenen Fahrzeugen? An zu wenig Tankmöglichkeiten? An der Energiebilanz von Wasserstoff? Dann werde ich mich mal auf die Suche nach Antworten machen. Und dabei hoffentlich viel Spaß mit einem Auto haben, das schon mal aussieht, als käme es aus der Zukunft.

Woher kommt die Antriebskraft

Das Wasserstoffauto braucht – na klar, Wasserstoff. Aber was ist das und wie wird dieser hergestellt? Ich habe also recherchiert. Zunächst ist Wasserstoff wie Wasser ohne Sauerstoff. Also H2 statt H2O. Er wird vielfältig eingesetzt, z.B. für Stickstoffdünger, und wird daher im industriellen Maße hergestellt. Es kann aus unterschiedlichen Rohstoffen gewonnen werden. Üblich ist z.B. die Nutzung von Erdöl oder Kohle und Wasser(dampf). Eine derartige Herstellung von Wasserstoff, Dampfreformierung genannt, ist preiswert, verursacht jedoch klimaschädliches CO2.

In der aktuellen Diskussion über Wasserstoff für Autos steht die Elektrolyse von Wasser im Mittelpunkt. Dieses Verfahren ist kostenintensiver als die Dampfreformierung, aberselten genutzt. Dabei handelt es sich in Verbindung mit (überschüssigem) Ökostrom um eine klimafreundliche Alternative. Man braucht dafür – klar – Wasser und Strom. Der Wirkungsgrad der Herstellung liegt bei 70 bis 80 %. Klingt doch gut. Aber durch Speicherung und die erneute Umwandlung in Strom sinkt der Wirkungsgrad erheblich. Und das klingt dann wieder nicht ganz so gut.

 

Mein persönliches Fazit: Wasserstoff aus Öl und Gas ist sinnlos als Antriebsenergie für ein Elektroauto, erst recht mit Ökoanspruch. Wasserstoff aus Wasser mit dem Elektrolyte Verfahren ist offensichtlich sinnvoller. Aber es braucht (überschüssigen) Ökostrom und jede Menge Wasser. Und dann kommt am Ende nur  ein Teil als Strom beim Motor an. Es wird aber viel geforscht an dem Thema, z.B. die Nutzung von Salzwasser, womit man Wasserstoff auf hoher See direkt im Off-Shore Windpark herstellen könnte. Das macht Hoffnung, dass Wasserstoff ein wichtiger Baustein für die Elektromobilität von morgen werden kann. Aber im heute ist es noch ein Nischenprodukt. Sieht man auch an den Produktionszahlen des Toyota Mirai. Dazu beim nächsten Mal mehr.

 

Selbsttest Wasserstoffauto
 

Wasserstoff = Zukunft?

 

 

Das ist hier die Frage. Heute sind Wasserstoff-Autos ein exotisches Nischenprodukt. So auch der Toyota Mirai, den ich teste. Und ich darf einen davon demnächst fahren. Abgefahren.

 

Die unverbindliche Preisempfehlung liegt laut Toyota Preisprospekt bei 78.600 Euro. Zwar handgebaut, aber dennoch ganz schön teuer, finde ich. Aber vielleicht ist der Mirai ja eine Art Rennauto und die Motorleistung bestimmt einen Teil des Preises. 113 KW (154 PS) und 335 Nm Drehmoment sind zwar ordentlich, aber auf dem Niveau eines durchschnittlichen VW Passat Diesel. Die Beschleunigung von 9,6 sec. auf 100 ist dagegen nicht so spritzig und 175 km/h Höchstgeschwindigkeit zugegeben nur in Deutschland einer Diskussion wert. Insgesamt hätte ich von einem E-Auto auf dem Preisniveau etwas mehr erwartet. Oder liege ich da falsch?

Also habe ich das mal mit dem Tesla Model 3 verglichen. Der beschleunigt in der einfachen Variante in 5,6 sec. auf 100 und hat eine Höchstgeschwindigkeit von 209 km/h. Und der Tesla wird, wenn er denn mal verfügbar wäre, etwas mehr als die Hälfte kosten. Aber ist die Motorleistung alles, was zählt? Wohl kaum. Gerade vor dem Hintergrund eines Autos  mit Anspruch auf Klimafreundlichkeit.
 

60 Wasserstoff-Tankstellen deutschlandweit

Wenn ich fahre, sollte ich auch wissen, wo ich tanken kann. Also mal im Internet recherchiert. Ok, dieser Test mit dem Wasserstoffauto ist wirklich sehr exklusiv. Derzeit gibt es 60 eröffnete Wasserstoff-Tankstellen in Deuschland. Hui. Überraschenderweise liegen wir damit noch vor den USA mit 40 Tankstellen, jedochhinter Japan, dem Heimatland des Mirai, mit 91.

Ja, aber was ist mit Wasserstoff tanken in Osnabrück? Geht. Gut, nicht direkt in Osnabrück, aber die Total-Tankstelle an der Hauptstraße in Hasbergen hat Wasserstoff – ihr erinnert euch an den Zeitungsartikel ;). Aber sonst ist gähnende Leere auf der Karte rund um Osnabrück. Die nächsten Tankstellen sind dann in Münster oder Bremen. Schön, dass der Mirai ordentliche 500 Kilometer Reichweite hat.

Getankt wird wie Benzin. Aber mit extremen Druck und daher saugt sich der Rüssel selbständig an den Tank. Steht zumindest in den Unterlagen. Der Druck ist notwendig, da Wasserstoff wenig Energiedichte pro Volumen hat und daher zur Nutzung stark komprimiert werden muss. Übrigens auch ein Grund für den reduzierten Wirkungsgrad des Wasserstoffs, denn Komprimieren kostet Energie. Der Mirai-Tank hat also einen Innendruck von 700 bar auszuhalten. Klingt nach viel und somit sitzt man auf einem prallen Druckgasbehälter, der unter der Fahrgastkabine angebracht ist. Aber die von Toyota und der Deutsche TÜV wissen, was sie machen. Da bin ich mir ganz sicher und bleibe ganz entspannt.

Hier geht´s zu meinen Erlebnissen...

2 Kommentare

Jina

19. Februar 2019 um 7:03

Danke für diesen tollen Blog. Macht weiter so.

Antworten

Lisa Hoff

25. Februar 2019 um 17:04

Hallo Jina, vielen Dank für das Lob! 🙂

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Wigand Maethner

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