12.01.2017

Wärmewende – ist das Energie oder kann das weg?

Lesedauer des Artikels: 4.15 Minuten
Wärme aus der Nachbarschaft

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Der Begriff Energiewende ist den meisten bekannt: Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen. Oder gehört da etwa noch mehr dazu? Was ist eigentlich mit unserer Wärmeenergie? Bisher verbinden die wenigsten mit dem Begriff der Energiewende auch einen Umbau der Wärmeversorgung. Dabei verbergen sich gerade hier ungeahnte Potenziale. 

Ein schlafender Riese

Die Fakten für Osnabrück:  Mehr als 40 Prozent  des gesamten Energieverbrauchs in der Hasestadt entfallen auf den Wärmebereich. Knapp Dreiviertel davon werden im wahrsten Sinne des Wortes als Raumwärme verheizt, gut ein Viertel entfällt auf die Prozesswärme der Industrie und der Wirtschaft. Kaum ein anderer Bereich bietet so viel ungenutztes Potenzial, Energie zu sparen, vorhandene Wärme effektiver zu nutzen und den CO2-Ausstoß nachhaltig zu verringern. Der Wärmebereich ist bei der Energiewende der schlafende Riese: Ein noch nicht gehobener Schatz.

Frische Ideen und innovative Konzepte

Die Stadtwerke Osnabrück sind längst dabei, diesen Riesen wach zu kitzeln und den Schatz zu heben. Mit Nahwärme-Inseln und einer Geothermieanlage zum Beispiel. Und mit vielen anderen frischen Ideen und innovativen Konzepten, die die drei zentralen Bausteine im Umbau der Wärmeversorgung umfassen:

  • Den Austausch fossiler Energieträger durch regenerative Energiequellen wie Sonne, Erdwärme oder Biomasse.

  • Das drastische Herunterfahren des Wärmebedarfs und der eingesetzten Brennstoffe durch verlustärmere Be- und Entlüftungssysteme und ein bewussteres Verhalten jedes Einzelnen.

  • Und natürlich die sinnvolle Verknüpfung der Strom- und Wärmeversorgung durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

Wie das funktioniert? „Im Grunde entsteht überall da, wo Strom maschinell erzeugt wird auch Wärme, die normalerweise ungenutzt bleibt“, erklärt Karl-Heinz Meyer, Leiter der Abteilung Energiedienstleistungen bei den Stadtwerken.

»Diese sogenannte Abwärme speisen wir in unser Nahwärmenetz ein und erzeugen so kleine Nahwärme-Inseln, die über die ganze Stadt verteilt sind und die anliegenden Haushalte mit Wärme versorgen.«

Wärme aus der Nachbarschaft sozusagen. Für den Verbraucher bedeutet das mehr Komfort, da Wartungsarbeiten am Wärmeerzeuger und der eigene Heizkessel im Haus wegfallen. Die Energieversorger stellt es vor die Herausforderung innovative Konzepte zu entwickeln und diese wirtschaftlich umzusetzen. Ein Spagat, ja. Aber die einzige Alternative wäre: Weiter viel zu viel Energie ungenutzt verloren gehen zu lassen. 

Geothermie am  Nettebad

Geothermie am Nettebad

Energie durch Erdwärme: Am Nettebad fördert ein etwa 360 Meter tiefer Brunnen annähernd 20 °C warme Sole aus dem Untergrund an die Erdoberfläche. Über Wärmepumpen wird die Temperatur des Grundwassers angehoben und durch einen Wärmetauscher an den Heizkreislauf des Nettebades abgegeben. Über einen zweiten Brunnen wird die abgekühlte Sole wieder dem Grundwasser zugeführt und der Kreislauf schließt sich. Mithilfe dieses Verfahrens kann ein Teil des Grundwärmebedarfs des Nettebades gedeckt werden.

Blockheizkraftwerk am Piesberg

Blockheizkraftwerk am Piesberg

Das in der stillgelegten Mülldeponie entstehende Deponiegas wird für die Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Durch separate Gasleitungen wird das Deponiegas vom Piesberg nach Pye sowie zur ehemaligen Winkelhausenkaserne transportiert. Dort wird es dann im Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Das durch die Motorabwärme bis auf ca. 90 °C erwärmte Wasser gelangt durch ein gut isoliertes Rohr in die Haushalte, die dessen Energie über einen Wärmetauscher für sich nutzen können. Um etwa 30 °C abgekühlt, fließt das Wasser anschließend durch ein zweites Rohr wieder zurück und der Kreislauf beginnt von vorne. Im angrenzenden Wohngebiet „Auf der Hegge“ in Pye können so ca. 170 Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Blockheizkraftwerk Klärwerk Eversburg

Blockheizkraftwerk Klärwerk Eversburg

Im Klärwerk Eversburg erzeugen vier Blockheizkraftwerke gleichzeitig Strom und Wärme. Wie das? Bei der Abwasserreinigung – genauer gesagt beim Gärprozess im Faulturm – entsteht sogenanntes Klär- oder Faulgas. Das Abfallprodukt  der Abwasserreinigung dient als Brennstoff, um die Blockheizkraftwerke anzutreiben. Die so erzeugte Energie aus dem methanhaltigen Faulgas wird als Wärme und Strom für den Eigenbedarf des Klärwerks genutzt. Nach umfassenden Sanierungsarbeiten 2016 wird die erzeugte Energie nicht nur für die Beheizung des Faulturms, sondern  auch zum Beheizen der Sozial- und Betriebsgebäude sowie der Warmwasserversorgung genutzt. Zusätzlich sichern die BHKWs bei Netzstörungen die Notstromversorgung, um die zentralen Funktionen des Klärwerks aufrecht zu erhalten.

Blockheizkraftwerk am alten Niedersachsenbad

Blockheizkraftwerk am alten Niedersachsenbad

Das größte Blockheizkraftwerk in Osnabrück befindet sich auf dem Gelände des alten Niedersachsenbades. Im vergangenen Jahr wurde die Anlage optimiert und auf den ökologischen Brennstoff Biomethan umgestellt. Hier erzeugen zwei Blockheizkraftwerke Energie mit der unter anderem das Stadthaus, ein Hotel, Seniorenwohneinrichtungen an der Bergstraße sowie Wohnhäuser an der Lührmannstraße mit Wärme versorgt werden.

Holzhackschnitzelanlage Stadtwerke-Zentrale

Holzhackschnitzelanlage Stadtwerke-Zentrale

Seit 2009 gibt es auf dem zentralen Betriebsgelände der Stadtwerke eine Holzhackschnitzelanlage. Mit einer Nennwärmeleistung von ca. 400 Kilowatt kann durch die Verbrennung von Holzhackschnitzeln das gesamte Gelände von der Sandbachstraße bis zur Hackländerstraße inklusive der Sporthalle der Backhausschule mit Wärme versorgt werden. Warum Holz? Ganz einfach: Für die Wärmeerzeugung werden vorwiegend Rest- und Landschaftspflegehölzer aus der Region verwendet – das ist besonders umweltschonend.

Holzhackschnitzelanlage Zoo Osnabrück

Holzhackschnitzelanlage Zoo Osnabrück

Holzhackschnitzelanlagen sind besonders dann sinnvoll, wenn große Mengen Wärme in direkter Nachbarschaft abgenommen werden können. Bei längeren Strecken übersteigt ansonsten der Verlust, der beim Transport von Wärme entsteht, den Nutzen. Ein Zoo verbraucht generell viel Energie, um Warmhäuser oder Aquarien zu betreiben. Eine Holzhackschnitzelanlage macht im Zoo Osnabrück also besonders viel Sinn. Zusätzlich versorgt die Anlage mit einer Leistung von 900 Kilowatt – ergänzt um zwei Blockheizkraftwerke für Zeiten mit besonders hohem Bedarf – auch das benachbarte Kreishaus via Nahwärmeleitungen.

Ein Kommentar

blockheizkraftwerk

21. Juni 2018 um 8:30

Danke für das Teilen dieser netten Informationen, großartige Arbeit ..

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Lisa Hoff

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Lisa Hoff

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